Cover: Alle Farben feat. Mae Stephens - Same Old Sky
7/8
mix1 Bewertung

Alle Farben holt Mae Stephens für „Same Old Sky“

Bei „Same Old Sky“ wird nicht lange an der Eingangstür herumgestanden. Mae Stephens eröffnet den gemeinsamen Track mit Alle Farben direkt mit ihrer Stimme, ein ausgedehntes Instrumental-Intro spart sich die Produktion. Damit ist ziemlich schnell geklärt, worum es hier geht: Songwriting und Vocals bekommen viel Platz, der Dance-Unterbau arbeitet ihnen zu. Alle Farben bewegt sich dafür stärker in Richtung Pop als bei seinen jüngeren Clubproduktionen. Warme Synth-Flächen bilden das Fundament, dazu kommen subtile Funk-Einflüsse und ein treibender Groove. Die Strophen bleiben vergleichsweise reduziert, im Refrain wird das Arrangement größer und beweglicher. Zentral ist die mehrfach wiederkehrende Hook „Same old sky, under the same old sky“, die als melodischer Fixpunkt durch den Song führt. Das Prinzip ist bewusst unkompliziert, ohne deshalb musikalisch leer zu wirken. Statt möglichst viele elektronische Elemente übereinanderzustapeln, konzentriert sich „Same Old Sky“ auf Stimme, Melodie und Rhythmus. Gerade Mae Stephens profitiert von dieser Aufteilung. Ihre Vocals müssen sich nicht gegen eine überladene Produktion durchkämpfen, sondern stehen bereits ab den ersten Sekunden klar vorne. Alle Farben wiederum hält genügend elektronische Substanz im Track, damit aus der Zusammenarbeit keine reine Popnummer wird.

Interessant ist „Same Old Sky“ auch im Zusammenhang mit Alle Farbens jüngeren Veröffentlichungen. Zuletzt rückte der Berliner Produzent stärker elektronische Clubenergie nach vorne, nun verschiebt er den Schwerpunkt wieder in Richtung Dance-Pop. Seine melodische Arbeitsweise bleibt dabei erhalten. Der Unterschied steckt vor allem in der Gewichtung: Weniger Dancefloor-Druck, mehr Raum für einen klassischen Songaufbau und eine Stimme, die den Track von Beginn an trägt. Mit Mae Stephens hat er dafür eine Sängerin an Bord, die bereits international reichlich Reichweite aufgebaut hat. Die britische Singer-Songwriterin kommt auf weltweite Chartplatzierungen, Gold- und Platinauszeichnungen sowie mehrere hundert Millionen Streams. Entsprechend wirkt ihre Beteiligung nicht wie ein zufälliges Feature, das irgendwo zwischen zwei Produzentenparts geklebt wurde. Ihre Stimme übernimmt eine tragende Rolle und gibt der Produktion ihre klare Pop-Ausrichtung. Die Funk-Anteile bleiben dagegen eher ein Detail im Hintergrund. Sie lockern den Groove auf, ohne „Same Old Sky“ plötzlich in eine Disco-Platte zu verwandeln. Dazu kommen die warmen Synths, die dem Arrangement eine sommerliche Färbung geben. Der Wechsel zwischen schlankeren Strophen und größerem Refrain erledigt den Rest. Kein musikalisches Labyrinth also. Wer hier den Ausgang sucht, hat vermutlich vorher nicht richtig zugehört.

Für Alle Farben reiht sich die Zusammenarbeit in eine Karriere ein, die längst weit über einzelne Clubveröffentlichungen hinausgeht. Mehr als 2,5 Milliarden Streams, Gold- und Platinauszeichnungen sowie internationale Festivalshows bilden den bisherigen Rahmen. „Same Old Sky“ lässt sich darin ziemlich genau zwischen seinen beiden Arbeitsfeldern verorten: elektronische Dance-Produktion auf der einen, zugängliches Pop-Songwriting auf der anderen Seite. Der Track ist für Festivalbühnen denkbar, funktioniert aufgrund seiner Struktur und der prominenten Vocals aber ebenso in Radio- und Streaming-Playlists. Entscheidender als diese möglichen Einsatzorte ist die konkrete musikalische Aufteilung. Stephens führt durch den Song, Alle Farbens Produktion hält ihn rhythmisch in Bewegung. Die Synth-Flächen geben Wärme, der Groove schiebt, der Refrain öffnet das Arrangement und die wiederholte Titelzeile übernimmt den Wiedererkennungswert. Damit unterscheidet sich die Nummer deutlich von einem rein auf Clubfunktion gebauten Track. Gleichzeitig bleibt genug Dance-DNA übrig, damit der Schritt in Richtung Pop nicht wie ein kompletter Kurswechsel wirkt. „Same Old Sky“ landet genau in diesem Zwischenraum – leicht genug für den Sommer, rhythmisch genug für den Floor und mit einer Hook ausgestattet, die ihren Job bereits nach dem ersten Durchlauf verstanden hat.

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