Fünf Jahre sind seit Allessas letztem Album vergangen. Nun liegt mit „Spielerin“ ein Nachfolger vor, bei dem die österreichische Schlagersängerin deutlich stärker ins Songwriting eingebunden war: An acht der zwölf neuen Titel hat sie selbst mitgeschrieben. Hinzu kommen weitere Remixe, während die digitale Ausgabe gegenüber der CD sogar vier zusätzliche Tracks enthält. Allein diese Eckdaten verraten schon, dass hier nicht einfach Material gesammelt und auf Albumlänge gebracht wurde. Allessa arbeitete für die Songs mit verschiedenen Songwriter- und Produzententeams zusammen, unterschiedliche musikalische Einflüsse waren ausdrücklich erwünscht. Das Motto lautete entsprechend unkompliziert: Erlaubt ist, was gefällt. Inhaltlich passt dazu der Albumname ziemlich genau. Eine „Spielerin“ bezeichnet hier keinen Menschen, der andere austrickst, sondern eine Frau, die Chancen wahrnimmt, Entscheidungen selbst trifft und ihren Weg nicht vom Spielfeldrand aus verfolgt. Dass Allessa bei zwei Dritteln der zwölf neuen Songs als Autorin beteiligt ist, gibt diesem Gedanken einen konkreten Bezug zur Entstehung der Platte. Nach fünf Jahren ohne neues Studioalbum ist das eine durchaus interessante Veränderung: Sie steht nicht ausschließlich am Mikrofon, sondern hat einen erheblichen Teil des Materials mitentwickelt. Gleichzeitig bleibt „Spielerin“ klar im Schlager verankert. Eingängige Melodien gehören ebenso zum Konzept wie unterschiedliche musikalische Ansätze innerhalb dieses Rahmens. Welche davon beim Publikum besonders hängen bleiben, wird sich zeigen. Einen ziemlich deutlichen Hinweis darauf, dass Allessa derzeit einen guten Lauf hat, gibt es allerdings bereits.
Gemeint ist „20.000 Meilen“. Die Single entwickelte sich vor dem Album zu einem bemerkenswerten Airplay-Erfolg und hielt sich zwölf Wochen in den Top 10 der deutschen Airplay-Charts. Sechs Wochen davon verbrachte der Titel auf Platz eins, weitere fünf Wochen auf Platz zwei. Laut den vorliegenden Angaben gelang eine solche Bilanz zuvor keiner Österreicherin in Deutschland. Das ist dann auch wesentlich aussagekräftiger als die übliche Behauptung, ein kommendes Album habe jede Menge Hits in der Hinterhand: Einer davon hat seinen Praxistest im Radio längst bestanden. Der Erfolg von „20.000 Meilen“ gab schließlich auch den entscheidenden Impuls für das neue Album. Neben diesem Titel wurden „La Bambola“ und „Zwischen deinen Zeilen“ ebenfalls in die Tracklist aufgenommen. Drei bereits bekannte Singles bilden damit Ankerpunkte innerhalb des Albums, der größere Teil des Materials ist jedoch neu. Gerade die Zahlen hinter „20.000 Meilen“ machen die Ausgangslage ungewöhnlich spannend. Nach einer fünfjährigen Albumpause beginnt Allessa nicht bei null, sondern kommt mit einem Titel im Gepäck, der über Monate hinweg auf den vorderen Airplay-Plätzen vertreten war. Für „Spielerin“ bedeutet das natürlich auch eine gewisse Messlatte. Ob weitere Songs ähnlich lange im Radio durchhalten, lässt sich vorab nicht seriös vorhersagen. Die Voraussetzungen sind zumindest konkreter als bei den üblichen Versprechen vom nächsten großen Schlagerhit. Hier stehen zwölf Wochen Top 10 schwarz auf weiß im Raum – und sechs davon ganz oben. Zahlen sind manchmal eben die angenehmste Form von Promo, weil sie ohne großes Feuerwerk auskommen.
Dass Allessa für „Spielerin“ mehrere Teams ins Boot geholt hat, passt zum bewusst offenen musikalischen Ansatz der Platte. Zugleich verhindert ihre eigene Beteiligung an acht Songs, dass sie bei der Entstehung lediglich die fertigen Stücke verschiedener Autoren eingesungen hat. Der persönliche Anteil steckt damit nicht nur in der Interpretation, sondern bereits in einem großen Teil des Songmaterials. Ergänzt wird die reguläre Auswahl durch Remixe, wobei Käufer beziehungsweise Hörer genau hinschauen sollten, welche Ausgabe sie wählen: Digital gibt es vier Tracks mehr als auf der CD. In Zeiten, in denen Bonusmaterial gern über mehrere Editionen verteilt wird, ist der Unterschied zumindest erfreulich leicht erklärt. Wer mehr Songs möchte, greift zur digitalen Fassung. Inhaltlich führen die bereits veröffentlichten Titel „20.000 Meilen“, „La Bambola“ und „Zwischen deinen Zeilen“ in das Album hinein, ohne die komplette Richtung vorwegzunehmen. Die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Autoren- und Produzententeams war schließlich gerade darauf angelegt, verschiedene Einflüsse innerhalb des Schlagers zuzulassen. Nach fünf Jahren zwischen zwei Alben ist „Spielerin“ damit vor allem ein umfangreiches Lebenszeichen aus dem Studio: zwölf neue Titel, eigene Songwriting-Credits bei acht davon, zusätzliche Remixe und eine Digitalfassung mit vier weiteren Tracks. Dazu kommt ein Airplay-Rekord als ziemlich komfortable Ausgangsposition. Der Albumtitel passt unter diesen Umständen fast ein bisschen besser, als es zunächst scheint. Allessa hat bei dieser Platte tatsächlich mehr Karten selbst in der Hand – und „20.000 Meilen“ hat bereits gezeigt, dass zumindest eine davon ziemlich gut gestochen hat.