Cover: Alpkan - Horses
6/8
mix1 Bewertung
Album

Horses

Alpkan

Label: Artist M.S. / Tap-Water Records
Kategorie: Pop | Balkan-Pop
Veröffentlichung: 10.04.2026

Alpkan: Wiener Schmäh trifft Balkan-Sound

Alpkan legen mit „Horses“ ein Album nach, das sich nicht groß um Schubladen schert, sondern lieber einmal quer durch Europa tänzelt. Nach „Hoas is!“ war schon klar, dass die fünf Musiker keinen Bock auf Standard-Volksmusik haben – und genau das ziehen sie hier konsequent weiter durch. Der Sound bewegt sich irgendwo zwischen Alpenhütte, Balkan-Bar und Wiener Beisl, ohne dabei wie ein wild zusammengewürfeltes Experiment zu wirken. Stattdessen hat „Horses“ eine erstaunlich klare Linie: Es geht um Groove, um Haltung und um diesen leicht schrägen Humor, der sich durch viele Tracks zieht. Dass dabei Wiener Schmäh auf Balkan-Rhythmen trifft, fühlt sich weniger nach Konzept als nach natürlicher Entwicklung an.

Musikalisch wird’s spannend, weil Alpkan zwar auf klassische Instrumente wie Trompete, Posaune, Tuba, Gitarre und Schlagzeug setzen, diese aber komplett neu denken. Die Arrangements sind verspielt, aber nie chaotisch, und immer wieder blitzen Ideen auf, bei denen man kurz innehält. Ein Jodler, der plötzlich fast wie ein elektronischer Loop wirkt? Funktioniert. Eine Mischung aus Flamenco und Polka? Klingt erstmal wild, geht aber überraschend gut rein. Genau diese Momente machen „Horses“ aus. Die Band traut sich, Grenzen zu verschieben, ohne dabei den Zugang zu verlieren. Man merkt, dass hier viel ausprobiert wurde, aber eben mit einem klaren Gefühl dafür, wann etwas noch Spaß macht und wann es zu viel wird. Dadurch bleibt das Album trotz aller Vielfalt angenehm hörbar und entwickelt einen eigenen Flow.

Inhaltlich bleibt Alpkan ihren Wurzeln treu, ohne sich darauf auszuruhen. Der Wiener Slang zieht sich durch viele Songs und bringt diese leicht ironische, manchmal auch grantige Note rein. Themen wie Alltagschaos oder kleine gesellschaftliche Beobachtungen werden mit einem Augenzwinkern erzählt – inklusive Sudern, wenn’s ums „Schwoazfoahrn“ geht. Gleichzeitig schwingt immer dieses Gefühl von kultureller Mischung mit: Alpen trifft Balkan, Tradition trifft Moderne, Ernst trifft Humor. „Horses“ wirkt dadurch wie ein musikalischer Roadtrip, bei dem man nie genau weiß, was als Nächstes kommt, aber genau das macht den Reiz aus. Wer auf klare Genres steht, wird hier vielleicht kurz stolpern. Wer Lust auf etwas Eigenständiges hat, bekommt ein Album, das sich bewusst außerhalb bekannter Pfade bewegt und genau darin seine Stärke findet.

Tracklist

01 Ludo 03:23
02 Daunzn 03:16
03 Kroch 00:26
04 Schwoazfoahra 03:54
05 Jodler 05:00
06 Howan 01:32
07 Horses 02:05
08 Hosndial 03:40
09 Kaiser 04:08
10 Moja 03:58
11 Herr Stockinger 04:07
12 Zechnkas 03:33
13 Schuach (Radio Edit) 03:17
14 Stü 04:09