Mit „The Devil’s Door“ schlagen And Also The Trees das nächste Kapitel ihrer aktuellen Phase auf – und das klingt weniger nach lauter Ansage, mehr nach stiller Wucht. Dieses Album schleicht sich an, baut Atmosphäre wie Nebel über einem Moor und zieht einen dann tiefer rein, als man zuerst denkt. Filmisch, poetisch, intensiv – aber nie überladen. Statt großer Gesten gibt’s feine Details: Gitarren, die wie orchestrale Fäden durch die Songs laufen, Texte, die eher Gemälde sind als einfache Stories. „The Devil’s Door“ schließt dabei die Trilogie ab, die mit „The Bone Carver“ begann und über „Mother-of-Pearl Moon“ hier ihren vorläufigen Höhepunkt findet. Man hört sofort: Das ist kein Schnellschuss, sondern ein gewachsenes Werk.
Musikalisch bleiben sie ihrem Stil treu und erweitern ihn trotzdem. Diese mandolinenartig klingende E-Gitarre von Justin Jones ist immer noch das Herzstück, aber diesmal mischen sich neue Klangfarben dazu. Plötzlich blitzen Instrumente auf, die man in diesem Kontext nicht erwartet hätte – und genau das macht den Reiz aus. Die Songs bewegen sich irgendwo zwischen der cineastischen Eleganz von John Barry und der eigenwilligen Tiefe von Béla Bartók. Dazu kommt dieser unterschwellige Hauch dunkler Psychedelia, der nie komplett ausbricht, sondern wie ein Schatten im Hintergrund bleibt. Inhaltlich geht’s wieder durch britische Landschaften, durch Wochenschauen, Folklore, Ölgemälde – Natur und Geschichte als Resonanzraum für Sehnsucht und Abgründe. Das wirkt nie kitschig, eher wie ein alter Film, den man spät nachts entdeckt und nicht mehr ausschalten will.
Gegründet wurden AATT von Simon Jones und seinem Bruder Justin im ländlichen Worcestershire – eine Gegend, die bis heute durch ihre Musik weht. Schon früh wurden sie von Robert Smith entdeckt, der sie mehrfach auf Tour mit The Cure nahm. Auch Lol Tolhurst spielte bei den frühen Aufnahmen eine Rolle. Diese Verbindung hielt über Jahrzehnte, inklusive Einladung zum von Smith kuratierten Meltdown Festival in London. Trotzdem sind And Also The Trees nie im Windschatten geblieben. Über vier Jahrzehnte kreative Eigenständigkeit, intensive Live-Shows und eine treue Fanbase – gerade auch hierzulande – sprechen für sich. „The Devil’s Door“ zeigt einmal mehr, dass diese Band lieber leise brennt als laut verpufft.