Andreas Martin: Ein weiteres Kapitel seines Nachlasses
Eine lange Trennung, wachsendes Vermissen und endlich die Aussicht, dem geliebten Menschen wieder nahe zu sein: Andreas Martin erzählt in „Will hörn wie laut dein Herz schlägt“ von genau diesem Moment. Der bislang unveröffentlichte Titel stammt aus seinem musikalischen Nachlass und wird von der Artcom Music Group zugänglich gemacht. Es handelt sich bereits um den dritten Song, der nach dem Tod des Sängers auf diesem Weg veröffentlicht wird. Zuvor kamen „Eng umschlungen“ und „Dich zu lieben“ heraus. Inhaltlich bewegt sich das neue Fundstück in einem Bereich, der Andreas Martins Diskografie über viele Jahre begleitet hat. Es geht um Nähe und Sehnsucht, diesmal verbunden mit der konkreten Vorfreude auf ein Wiedersehen. Die Zeit der Trennung soll endlich vorbei sein. Statt weiter auf Distanz zu bleiben, wächst der Wunsch, wieder gemeinsam Zeit zu verbringen und jene Nähe zu erleben, auf die beide gewartet haben. Schon die Formulierung „Will hörn wie laut dein Herz schlägt“ beschreibt diese Sehnsucht sehr körperlich: Gemeint ist keine Nachricht aus der Ferne und kein kurzes Telefonat, sondern unmittelbare Nähe. Für Fans ist der Song zugleich tatsächlich neues Material. Keine Neuaufnahme eines bekannten Titels, keine weitere Zusammenstellung früherer Erfolge, sondern eine Aufnahme, die bislang unveröffentlicht geblieben war.
Die Veröffentlichung führt weit zurück in eine Karriere, die mehrere Bereiche des deutschen Schlagers berührte. Einem breiten Publikum wurde Andreas Martin durch „Amore Mio“ bekannt. Später folgte mit „Du bist alles“ einer seiner bekanntesten Titel. Martin stand allerdings nicht nur selbst am Mikrofon. Als Komponist und Texter schrieb er auch für andere Künstler, darunter Juliane Werding, Wolfgang Petry, Nino de Angelo und Roger Whittaker. Ab den 1990er Jahren war er zudem maßgeblich an Erfolgen von Brunner & Brunner beteiligt. Ein weiterer Abschnitt seiner Laufbahn entstand gemeinsam mit Drafi Deutscher: Unter dem Namen New Mixed Emotions veröffentlichten beide unter anderem „Sensuality (When I Touch You)“ und „Lonely Lover“. Beide Songs erreichten die ZDF-Hitparade, „Lonely Lover“ gewann sogar eine Ausgabe der Sendung. Auch solo blieb Martin über viele Jahre präsent. Bei den Deutschen Schlager-Festspielen erreichte er mit „So lieb ich dich“ den dritten Platz und erhielt die Bronzene Muse. Nach einer längeren Pause gelang ihm mit „Einmal zu oft“ die Rückkehr in die deutschen Verkaufscharts, später folgte mit „Ich fang Dir den Mond“ ein weiterer großer Charterfolg. Für sein Lebenswerk wurde Martin außerdem mit dem Ballermann Award ausgezeichnet. Diese Stationen erklären, weshalb sein Name nicht allein mit einzelnen Hits verbunden ist. Seine Arbeit fand sowohl vor dem Mikrofon als auch am Schreibtisch statt – und landete dadurch in ganz unterschiedlichen Diskografien.
„Will hörn wie laut dein Herz schlägt“ ergänzt diese Geschichte nun um Material, das zu Lebzeiten nicht regulär veröffentlicht wurde. Gerade darin liegt die Besonderheit des Songs. Wer Andreas Martins bekannte Aufnahmen längst im Regal oder in der Playlist hat, bekommt keinen neu verpackten Klassiker, sondern einen weiteren Titel aus seinem Nachlass. Nach „Eng umschlungen“ und „Dich zu lieben“ setzt die Artcom Music Group die Reihe posthumer Veröffentlichungen damit fort. Der Inhalt bleibt eng an einer konkreten zwischenmenschlichen Situation: Zwei Menschen waren getrennt, das Wiedersehen rückt näher, die Sehnsucht nach körperlicher Nähe wächst. Mehr muss die Geschichte gar nicht konstruieren. Dass Andreas Martin solche Themen über Jahrzehnte im Schlager behandelte, gehört zu seiner Laufbahn ebenso wie seine Arbeit für andere Sängerinnen und Sänger. Seine Karriere reichte von „Amore Mio“ und „Du bist alles“ über New Mixed Emotions bis zu späteren Charterfolgen wie „Ich fang Dir den Mond“. Hinzu kommen die zahlreichen Kompositionen und Texte, die andere Künstler interpretierten. Der nun zugänglich gemachte Song fügt dieser umfangreichen Diskografie einen bislang fehlenden Eintrag hinzu. Für langjährige Hörer dürfte genau das der interessante Punkt sein: Andreas Martins bekannte Geschichte wird nicht nacherzählt, sondern um eine Aufnahme ergänzt, die bisher außerhalb seines veröffentlichten Katalogs geblieben war. Und nach mehreren Jahrzehnten Karriere tatsächlich noch einen bislang unbekannten Titel hören zu können, passiert bei einem vertrauten Künstler schließlich nicht jeden Tag.
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