Andrew Spencer & Tom Pulse: Deep House mit „Rocío“
Manchmal reicht ein Vocal-Sample, um eine gemeinsame Idee wieder anzuschieben. Bei Andrew Spencer und Tom Pulse war es eine alte spanische Gesangsaufnahme, die den Ausgangspunkt für „Rocío“ bildete. Dazu kam eine musikalische Vorliebe, die beide teilen: grooviger Deep House mit deutlichem Ibiza-Bezug. Aus diesen beiden Zutaten entstand die erneute Zusammenarbeit der Produzenten. Viel komplizierter muss die Vorgeschichte offenbar gar nicht sein. Statt die spanische Stimme lediglich als kleines Detail im Arrangement zu verstecken, gehört sie zum Grundkonzept der Nummer und gibt ihr einen eigenen Wiedererkennungswert. Rundherum bewegen sich Spencer und Pulse im entspannten Bereich elektronischer Clubmusik. Deep House ist die Basis, der Groove hat Priorität und die Ibiza-Idee gibt die Richtung vor. Das passt zu einer Produktion, die ausdrücklich als Begleiter für die letzten Wochen der Beach-Saison gedacht ist. Wobei sich die beiden Produzenten bei der Halbwertszeit ihres Stücks keineswegs auf Sonne und Strand festlegen wollen. Wer den Track lieber durch Herbst und Winter mitnimmt, darf das ebenfalls tun. Strandpflicht besteht also nicht.
Dass Andrew Spencer und Tom Pulse gemeinsam an „Rocío“ gearbeitet haben, ist keine zufällige Studiokonstellation. Die beiden haben bereits zuvor zusammen Musik produziert und fanden für diese Nummer erneut über ihren gemeinsamen Geschmack zusammen. Im Zentrum steht grooviger Ibiza-Style Deep House – eine ziemlich konkrete Vorgabe, die erklärt, weshalb die Produktion weniger über komplizierte Genrewechsel als über Rhythmus und das spanische Vocal-Sample funktioniert. Gerade die Kombination ist naheliegend, ohne beliebig zu sein: Die Stimme bringt einen klar spanisch geprägten Akzent hinein, während das Deep-House-Gerüst die Clubseite übernimmt. Weitere Angaben zu beteiligten Musikern, Studios oder technischen Produktionsdetails liegen nicht vor, entsprechend bleibt der Blick auf das, was zur Entstehung tatsächlich bekannt ist. Interessant ist dabei vor allem, wie wenig Ausgangsmaterial eine Zusammenarbeit manchmal benötigt. Ein gefundenes oder ausgewähltes Vocal, eine gemeinsame Vorstellung davon, in welche Richtung der Groove laufen soll, und zwei Produzenten, die bereits wissen, wie der jeweils andere arbeitet. „Rocío“ entstand genau aus dieser Konstellation.
Auch die Einordnung als Late-Summer-Nummer ergibt sich direkt aus diesem Ansatz. Ibiza-Deep-House, spanischer Gesang und Beach-Saison sind schließlich keine drei Begriffe, die erst nach stundenlangem Grübeln zueinanderfinden. Andrew Spencer und Tom Pulse denken den Track trotzdem nicht ausschließlich als saisonale Angelegenheit. Nach ihrer eigenen Beschreibung kann „Rocío“ ebenso durch Herbst und Winter begleiten. Das ist vermutlich auch die vernünftigere Variante, denn Playlists kennen glücklicherweise keine Wetterordnung. Musikalisch bleibt die Nummer bei ihrer klar umrissenen Idee: Deep House, Groove und ein älteres spanisches Vocal-Sample als charakteristisches Element. Statt zusätzliche Stilrichtungen in die Produktion zu packen, konzentrieren sich Spencer und Pulse auf genau diese Kombination. Für beide ist das Stück zugleich eine weitere gemeinsame Produktion, ausgelöst durch eine geteilte Vorliebe für den Ibiza-orientierten Deep-House-Sound. Ob „Rocío“ am Strand, auf dem Weg zum Club oder irgendwann bei fünf Grad und Nieselregen läuft, ändert an diesem Konzept wenig. Die passende Kulisse darf sich am Ende ohnehin jeder selbst aussuchen.
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