Anna Erhard erzählt in „1000 Sheep“ vom Schafezählen
Anna Erhard brauchte für „1000 Sheep“ offenbar kein langes Kennenlernen. Fünf Sätze mit einem Hirten reichten. Die in Berlin lebende Schweizer Musikerin lernte ihn während eines freien Tages auf einer Festivaltour kennen, anschließend dichtete die Band auf langen Autofahrten den fehlenden Rest seiner Geschichte dazu. Heraus kam eine Lovestory, deren Hauptfigur vor allem durch eine ziemlich spezielle Fähigkeit glänzt: Er kann wahnsinnig gut Schafe zählen. Die neue Single eröffnet zugleich die Kampagne für Erhards gleichnamiges viertes Studioalbum.
Musikalisch bleibt Erhard in dem Indie-Pop-Kosmos, für den sie in den vergangenen Jahren bekannt geworden ist: verzerrte Gitarren, Lo-Fi-Keyboards und ein lässiger Vortrag, der Vergleiche mit Kurt Vile und frühem Beck nachvollziehbar macht. Entscheidender ist allerdings ihr Blick auf beiläufige Situationen. Reisen, Begegnungen und kleine Beobachtungen dienen ihr regelmäßig als Ausgangsmaterial für Songs. Bei „1000 Sheep“ lässt sich dieser Prozess besonders konkret nachvollziehen: Ein kurzer Farmbesuch wird unterwegs im Tourbus weitergesponnen, bis aus wenigen realen Informationen eine erfundene Romanze entsteht.
Das kommende Album folgt auf „Botanical Garden“, Erhards drittes Studioalbum. Danach spielte sie ausverkaufte Tourneen in Großbritannien und Konzerte quer durch Europa, darunter einen Auftritt beim Glastonbury Festival. Auch BBC 6 Music begleitete diese Phase mit Airplay und mehreren Live-Sessions; eine davon entstand in den Maida Vale Studios in London. „1000 Sheep“ verschiebt den Fokus nun wieder vom großen Festivalbetrieb auf eine ziemlich kleine Begegnung am Wegesrand. Dass ausgerechnet das Talent zum Schafezählen zum romantischen Argument wird, passt bestens zu Erhards Freude an schrägen Details.