„Ghost Town“: Elf starke Songs von Axel Rudi Pell
Wenn jemand seit über 35 Jahren durchgängig abliefert, ohne sich dabei selbst zu kopieren oder gar in Routine zu verfallen, dann darf man das ruhig als bemerkenswerte Konstanz bezeichnen – oder einfach als: Axel Rudi Pell. Der Bochumer Gitarrist und Komponist hat mit seiner neuen Platte „Ghost Town“ einmal mehr bewiesen, dass man kein musikalisches Navi braucht, um seinen Sound zu erkennen. Pell bleibt sich treu – und das ist eine gute Nachricht. Denn seine Handschrift ist unverkennbar: wuchtige Riffs, hymnische Hooks und eine Band, die so eingespielt wirkt wie der Motor eines alten Mustangs. An der Seite: Langzeit-Begleiter Volker Krawczak am Bass, Tastenzauberer Ferdy Doernberg, Drummer-Legende Bobby Rondinelli (Ex-Rainbow) und natürlich Sänger Johnny Gioeli, der auch auf „Ghost Town“ wieder mit jeder Silbe überzeugt.
Die elf neuen Tracks erweitern das Pell’sche Gesamtwerk nicht nur numerisch, sondern auch qualitativ. Natürlich bleibt er im Fahrwasser seines bewährten Stils – aber das bedeutet nicht Stillstand. Im Gegenteil: Auf „Ghost Town“ streut Pell geschickt frische Elemente ein, die für Abwechslung sorgen, ohne den roten Faden zu verlieren. Da tauchen plötzlich bluesige Passagen auf, epische Instrumentalteile oder fein dosierte Keyboardflächen, die den Songs zusätzliche Tiefe verleihen. Wer erwartet hatte, dass nach so vielen Jahren irgendwann mal die Luft raus ist, wird hier eines Besseren belehrt. Pell liefert ab – mit Druck, Gefühl und der gewissen Portion Pathos, die seinen Songs schon immer diese besondere Note verliehen hat.
Dabei wirkt das Ganze nie bemüht oder überambitioniert. Pell spielt, als hätte er gerade erst Feuer gefangen – nur mit der Erfahrung eines halben Lebens im Musikgeschäft. Dass seine Musik auch 2025 noch funktioniert, liegt nicht nur an der Qualität der Kompositionen, sondern auch an der spürbaren Leidenschaft, mit der hier gearbeitet wird. „Ghost Town“ ist kein revolutionäres Album – aber ein sehr gutes. Und manchmal reicht das schon vollkommen aus, um ein weiteres Kapitel in einer langen Erfolgsgeschichte zu schreiben.