Bilderbuch denken Pop auf „∞+1“ weiter
Stillstand war bei Bilderbuch ohnehin nie besonders beliebt. Auf „∞+1“ nehmen die Wiener die Überfülle der Gegenwart auseinander und bauen daraus ein Album, das permanent in Bewegung bleibt. Disco trifft auf Rock, elektronischer Pop kippt in fragile Balladen, Ideen tauchen auf, verschwinden wieder und machen Platz für die nächste Wendung. Trotz der vielen Richtungswechsel bleibt die Handschrift der Band erkennbar – nicht als starres Klangrezept, sondern als Lust daran, Pop immer wieder anders anzufassen.
Inhaltlich passt diese Unruhe ziemlich genau zum Thema. „∞+1“ blickt auf eine Welt, in der theoretisch alles verfügbar ist: Songs, Bilder, Informationen, Ideen. Nur vollständig fühlt sich davon erstaunlich wenig an. Bilderbuch nehmen diese kulturelle Überproduktion nicht als Anlass für Rückzug oder Kulturpessimismus. Stattdessen kommt noch etwas dazu. Das namensgebende Plus Eins wirkt dabei fast wie ein kleiner Trotzreflex gegen eine Gegenwart, die ohnehin längst aus allen Nähten platzt.
Neugier, Humor und Hingabe bleiben die Werkzeuge, mit denen die Band diesem Zuviel begegnet. Nach mehr als zwei Jahrzehnten Bandgeschichte klingt „∞+1“ deshalb nicht nach Verwaltung des eigenen Katalogs, sondern nach weiterer Suche. Gerade die Mischung aus Disco, Rock, elektronischen Flächen und zurückgenommenen Momenten passt zu einem Album, das Überfluss nicht ordnen will. Bilderbuch werfen lieber noch eine Idee in den Raum. Von allem zu viel – und dann eben noch eins dazu.
Tracklist
01 Finstere Erleuchtung 04:26
02 Was in dieser Welt 04:17
03 Irgendwo 03:44
04 Zahlen als Beweis 02:24
05 Unterwasser 04:07
06 Push Reality 03:13
07 Wahrscheinlich war es der Lippenstift 04:12
08 Baby Junkie 02:16
09 Ist es denn ein Wunder 03:43
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