BLUTHUND feat. MONTREAL mit „Kein Bock“
BLUTHUND bauen mit „Kein Bock“ einen Track, der sich anfühlt wie ein komplett überforderter Gruppenchat kurz vor dem Zusammenbruch. Zwischen Punk, Rap und dreckiger Hardcore-Energie knallt die Nummer durch die Boxen, als hätte jemand gleichzeitig die Nachrichten-App, TikTok und eine Stromgitarre gegen die Wand geworfen. Genau daraus zieht der Song seine Stärke. Statt geschniegelt über Gesellschaftskritik zu philosophieren, klingt hier alles nach verschwitztem Proberaum, Augenringen und einer sehr schlechten Bildschirmzeit-Statistik. Dazu kommt MONTREAL mit ihrer rotzigen Punk-Attitüde, die perfekt in diesen kontrollierten Chaosmodus passt. Das Ergebnis: ein Song, der gleichzeitig eskaliert und komplett erschöpft wirkt. Irgendwo zwischen Moshpit und Nervenzusammenbruch eben.
Lyrisch funktioniert „Kein Bock“ vor allem deshalb so gut, weil sich niemand moralisch über andere stellt. BLUTHUND zeigen nicht auf „die Gesellschaft“, sondern direkt auf sich selbst. Der Erzähler regt sich eher über seine versauten Schuhe auf als über die eigentliche Katastrophe dahinter — und genau das macht die Nummer so unangenehm treffend. Diese Mischung aus Selbstironie, Gleichgültigkeit und unterschwelliger Panik kennt wahrscheinlich jede Person, die nachts doomscrollend im Bett liegt und dabei vergisst, warum sie überhaupt das Handy entsperrt hat. Der Song wirkt dabei nie verkopft. Statt großer Metaphern gibt es direkte Zeilen, stumpfen Humor und genug Wucht, damit die Message nicht wie ein Vortrag klingt. Man hört förmlich, wie hier alles gleichzeitig zu viel wird: Social Media, Weltlage, Selbstoptimierung und dieser ewige Druck, ständig performen zu müssen.
Musikalisch erinnert das Ganze stellenweise tatsächlich an Machine Gun Kellys Pop-Punk-Phase — allerdings deutlich schmutziger, deutschsprachiger und mit wesentlich weniger Hochglanz. BLUTHUND und MONTREAL lassen die Nummer bewusst roh klingen. Gerade dadurch entsteht dieser kaputte Charme, der „Kein Bock“ so unterhaltsam macht. Der Song will nicht geschniegelt modern wirken, sondern wie eine durchzechte Nacht mit zu vielen Gedanken und zu wenig Schlaf. Genau deshalb passt die Kollaboration auch erstaunlich gut in Playlists zwischen Feine Sahne Fischfilet, K.I.Z oder Lostboi Lino. „Kein Bock“ ist laut, chaotisch und leicht kaputt — aber eben auf die Art, bei der man direkt nochmal auf Play drückt.
Video Explicit