Cover: Bruchbude feat. Das Lumpenpack - abgefucked
7/8
Eigene Redaktionseinschätzung
Single

abgefucked

Bruchbude feat. Das Lumpenpack

Label: ROOF Records
Kategorie: Rock | Deutschrock
Veröffentlichung: 06.03.2026

BRUCHBUDE & Das Lumpenpack liefern wütenden Gesellschaftssong

Die Lage ist aufgeheizt, die Nerven liegen blank – und genau in diese Stimmung platzt „abgefucked“, die neue Single von BRUCHBUDE gemeinsam mit DAS LUMPENPACK. Der Song fühlt sich an wie ein Blick in den Kommentarbereich unter jedem beliebigen Social-Media-Post: laut, chaotisch, teilweise absurd – und leider erschreckend real. Zwischen Gitarren, treibendem Beat und einer Hook, die sich sofort im Kopf festsetzt, nehmen die Musiker kein Blatt vor den Mund. Statt diplomatischer Metaphern gibt’s klare Worte über eine Gesellschaft, die sich immer weiter aufheizt. Politische Lager stehen sich gegenüber wie rivalisierende Fangruppen, während im Netz ein Sturm aus Meinungen tobt. Besonders bitter: Selbst Symbole der Liebe werden plötzlich politisch aufgeladen. Das blaue Herz unter einem Post ist längst nicht mehr nur nett gemeint – es ist Statement, Haltung, manchmal sogar Kampfansage. Genau dieses Gefühl greifen BRUCHBUDE und DAS LUMPENPACK auf und verwandeln es in einen Song, der gleichzeitig wütend, ironisch und ziemlich wach wirkt.

Musikalisch bleibt „abgefucked“ dabei angenehm direkt. Keine komplizierten Umwege, kein verkopfter Indie-Zirkus – stattdessen ein Song, der nach vorne geht und klar sagt, was Sache ist. Inhaltlich zeichnet der Track ein Bild von einer Generation, die zwischen Dauerkrise, digitalem Dauerrauschen und politischer Überforderung versucht, halbwegs klarzukommen. Die euphorische Aufbruchsstimmung der frühen Internetjahre wirkt inzwischen wie ein altes Foto aus einem anderen Leben. Damals schien alles möglich: mehr Austausch, mehr Verständnis, mehr globale Vernetzung. Heute scrollt man durch Kommentarspalten und fragt sich kurz, ob wirklich alle im selben Internet unterwegs sind. Genau hier setzt der Song an. BRUCHBUDE liefern keine moralische Predigt, sondern beschreiben dieses Gefühl aus Frust, Müdigkeit und unterschwelliger Wut, das viele gerade kennen. Die Zusammenarbeit mit DAS LUMPENPACK passt dabei perfekt, weil beide Acts diesen Mix aus Humor und Gesellschaftsbeobachtung beherrschen. Der Song bleibt kritisch, ohne in hoffnungslose Schwärze abzurutschen – eher wie ein lauter Kommentar aus dem Off, der sagt: „Leute, schaut euch mal an, was hier gerade passiert.“

Trotz des ziemlich düsteren Blicks auf die Gegenwart steckt in „abgefucked“ auch ein kleiner Funke Hoffnung. Der Song bleibt nicht beim Kopfschütteln stehen, sondern versteht sich eher als Weckruf. Klar, die Welt fühlt sich gerade überhitzt an: Debatten eskalieren schnell, Meinungen prallen frontal aufeinander und der Ton wird immer rauer. Aber genau deshalb braucht es Gespräche – echte, nicht nur in 280 Zeichen. BRUCHBUDE und DAS LUMPENPACK formulieren das mit einer Mischung aus Wut, Energie und einem Augenzwinkern. Der Track wirkt wie der musikalische Versuch, einmal kräftig auf den Tisch zu hauen und gleichzeitig zu sagen: „Hey, wir können das besser.“ Vielleicht liegt genau darin die Stärke von „abgefucked“. Der Song hält unserer digitalen Realität den Spiegel vor, ohne komplett zu verzweifeln. Statt Resignation gibt’s Druck auf den Lautsprechern und einen klaren Appell: reden, zuhören, widersprechen – aber nicht aufhören, miteinander zu sprechen. Denn egal wie chaotisch der Diskurs gerade wirkt, Stillstand wäre am Ende die deutlich schlechtere Option.

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