„Zero Gravity“: Uplifting Trance von Claas Inc.
Claas Inc. landet erneut bei Future Sequence und bleibt seinem Uplifting-Trance-Kurs treu. Die neue Single „Zero Gravity“ arbeitet mit melodischen Passagen, breiten Klangflächen und einer Energieverteilung, die ziemlich eindeutig auf größere Clubanlagen zugeschnitten ist. Besonders relevant für den Aufbau sind die Breakdowns. Dort nimmt das Arrangement den Druck heraus und schafft Raum für die melodischen Elemente, bevor die Synths wieder nach vorne rücken. Anschließend geht es zurück in Richtung Peak-Time. Dieses Wechselspiel aus Aufbau, Pause und erneuter Beschleunigung gehört zum klassischen Handwerkszeug des Uplifting Trance, bei Claas Inc. bildet es das Grundgerüst des Tracks. Future Sequence ist für den Produzenten dabei kein neues Pflaster: Laut den Informationen zur Veröffentlichung war Claas Inc. bereits zuvor beim Label aktiv. „Zero Gravity“ führt diese Zusammenarbeit weiter. Der Titel passt nebenbei ziemlich bequem zur musikalischen Idee. Schwerelosigkeit, aufsteigende Synth-Linien und große Breaks – da muss man die Verbindung nicht mit dem Textmarker markieren. Entscheidend ist allerdings weniger das Wortspiel als die konkrete Clubdramaturgie dahinter. Claas Inc. baut die Nummer nicht als zurückhaltenden Trance-Track, sondern orientiert sie an jenen Momenten eines Sets, in denen Break und anschließender Wiedereinstieg möglichst viel Wirkung entfalten sollen.
Musikalisch bleibt die Sache klar umrissen. Uplifting-Melodien treffen auf weit angelegte Soundscapes, dazu kommen hoch geführte Synthesizer und treibende Drops. Gerade diese Kombination definiert den Charakter von „Zero Gravity“. Während die Breakdowns mehr Platz im Frequenzbild und Arrangement schaffen, übernehmen die Synths anschließend wieder eine deutlich präsentere Rolle. Der Kontrast ist wichtig: Würde eine Produktion dieser Art permanent auf maximalem Druck laufen, fehlte dem nächsten Einsatz schlicht die Fallhöhe. Claas Inc. nutzt deshalb die ruhigeren Abschnitte als Vorbereitung für die Peak-Time-Passagen. Laut Releasebeschreibung wurde der Track ausdrücklich mit Blick auf diesen Einsatz gebaut. Damit liegt sein Platz weniger beim unauffälligen Warm-up um kurz nach Cluböffnung, sondern später im Set, wenn ein längerer Break auch tatsächlich Sinn ergibt und die Anlage etwas Arbeit bekommen darf. Angaben zu verwendeten Synthesizern, Software, Studio oder zusätzlichem Personal gibt es in der Vorlage nicht. Auch über konkrete Produktionsmethoden lässt sich deshalb nichts Belastbares sagen. Hörbar beschrieben wird stattdessen eine klassische Uplifting-Trance-Architektur mit klar getrennten Spannungsphasen. Das macht die stilistische Zuordnung erfreulich unkompliziert: Hier wird nicht versucht, fünf Genres in eine Pressezeile zu quetschen. Trance reicht. Genauer gesagt: Uplifting Trance mit Peak-Time-Ausrichtung.
Für Claas Inc. ist die Veröffentlichung zugleich ein weiterer Schritt innerhalb seiner bisherigen Verbindung zu Future Sequence. Das Label bleibt damit die Adresse für einen Track, der seine Wirkung aus dem Gegensatz zwischen offenen Breakdowns und den anschließend einsetzenden, treibenden Abschnitten bezieht. „Zero Gravity“ ist entsprechend stark über Dynamik organisiert. Erst bekommen Melodie und Klangflächen Platz, dann ziehen die Synthesizer das Arrangement wieder nach oben und der Rhythmus übernimmt erneut das Kommando. Die in der Vorlage beschriebene Idee des Abhebens steckt damit nicht nur im Namen, sondern lässt sich direkt auf den Aufbau übertragen. Viel mehr sollte man in einen Titel über Schwerelosigkeit vermutlich auch nicht hineininterpretieren – irgendwann wird selbst der schönste Trance-Break zur Physikstunde. Interessanter für DJs und Genre-Hörer dürfte ohnehin sein, wo die Nummer musikalisch einsortiert werden kann. Die Antwort fällt eindeutig aus: melodischer Uplifting Trance, große Breaks, steigende Synth-Linien und Drops für die druckvolleren Abschnitte eines Sets. Claas Inc. bleibt damit auf bekanntem Terrain bei Future Sequence und konzentriert sich auf eine Clubstruktur, deren Wirkung von sauber gesetzten Spannungswechseln lebt. Kein Umweg, kein behaupteter Stilbruch. „Zero Gravity“ weiß ziemlich genau, wann der Boden unter den Füßen verschwinden soll.
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