Clawfinger melden sich laut, wütend und so treffsicher wie eh und je. Ihr neues Album ist kein Trostpflaster, sondern eine verbale Abrissbirne. Statt beruhigender Botschaften liefern sie musikalische Faustschläge gegen Heuchelei, Ignoranz und Selbstbetrug. Der Opener „Going Down (Like Titanic)“ ist dabei Programm: Die Welt taumelt dem Untergang entgegen, doch an Bord wird weiter getanzt. Sarkasmus trifft Realität – und das in bester Clawfinger-Manier, mit wummernden Riffs und messerscharfen Lyrics.
Die Band hat nichts von ihrer Schärfe verloren, im Gegenteil: Songs wie „Big Brother“ sezieren unsere Selfie-Gesellschaft mit chirurgischer Präzision, während „Environmental Patients“ ein bitteres Urteil über unseren Umgang mit dem Planeten fällt – Diagnose: selbstverschuldet, unheilbar. Clawfinger sind keine Moralapostel, sondern Realisten mit Gitarren. Sie stellen keine plakativen Lösungen in Aussicht, sondern zwingen zum Hinsehen. Und zwar ohne Filter. Keine Harmonie, keine Kompromisse – nur rohe Energie und eine klare Haltung.
Dieses Album ist nichts für nebenbei. Es fordert Aufmerksamkeit, Haltung und ein bisschen Mut zur unbequemen Wahrheit. Was Clawfinger liefern, ist kein nostalgischer Rückblick auf alte Crossover-Tage, sondern ein zeitgemäßes Manifest in Soundform. Jeder Track ist ein Aufschrei – gegen Verlogenheit, gegen das Wegschauen, gegen die Angst, Klartext zu reden. Und genau darin liegt die Stärke dieses Albums: Es ist hässlich ehrlich. Aber manchmal braucht es genau das.