Clemens Maria Haas: "Lass mich zu Dir" erscheint nach 40 Jahren
Manche Songs brauchen keinen Hype, sondern einfach Zeit. Über vier Jahrzehnte lag „Lass mich zu Dir“ im Dornröschenschlaf – jetzt holt Clemens Maria Haas die Ballade endlich ans Licht. Geschrieben in derselben kreativen Phase wie sein Megahit „Katharine, Katharine“, verschwand das Stück damals aus bandinternen Gründen in der Schublade. Keine Qualitätsfrage, eher Politik und Gruppendynamik. Dabei war früh klar, dass hier etwas Besonderes entstanden ist. Selbst Herbert Grönemeyer soll nach dem Hören der Demos gesagt haben, die Songs bräuchten keinen Co-Autoren – sie seien fertig, so wie sie sind. Trotzdem blieb „Lass mich zu Dir“ unveröffentlicht. Bis jetzt.
Dabei hat der Song längst Menschen erreicht, bevor er offiziell existierte. Auf einer Stadiontour mit Nena stand Haas allein am Keyboard vor zehntausenden Fans und spielte genau dieses Lied. Nur Stimme, nur Tasten, kein doppelter Boden. Die Reaktionen: Gänsehaut und stehende Ovationen. Auch Yvonne Catterfeld, damals als Kollegin mit unterwegs, zeigte sich tief berührt. Das Covermotiv zur Veröffentlichung zeigt diesen Moment von hinten – ein Künstler allein auf weiter Bühne, vor ihm ein Meer aus Menschen. Mehr Balladen-Klischee geht kaum, aber hier wirkt es nicht kitschig, sondern ehrlich.
„Lass mich zu Dir“ ist eine klassische Feuerzeug-Stadionballade. Sehnsucht pur, ganz ohne Ironie. Der Refrain – „Lass mich zu Dir – ich stell’ auch keine Fragen / Ganz nah zu Dir – Du brauchst auch nichts zu sagen“ – trifft genau diesen Nerv zwischen Nähe und Schweigen. Es geht um Vertrauen, um das Bleiben ohne große Worte. Musikalisch setzt Haas auf zeitlose Klarheit statt Trends. Dass der Song erst jetzt erscheint, gibt ihm fast noch mehr Gewicht. Er klingt nicht nach Retro, sondern nach etwas, das einfach gewartet hat. Vielleicht ist genau das seine Stärke: kein schneller Hit, sondern ein Lied mit Geschichte.
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