Clou Simon nimmt auf „Aus artgerechter Haltung“ niemanden mit in eine künstlich perfekte Welt. Statt Hochglanz-Fassade gibt es Geschichten aus dem echten Leben, Erinnerungen an eine Kindheit ohne Dauerbespaßung und Songs, die lieber ehrlich als geschniegelt wirken. Genau das macht das Album spannend. Während viele Produktionen heute auf schnellen Effekt setzen, geht Clou Simon einen anderen Weg und erinnert sich an Zeiten zurück, in denen eine Gießkanne noch als Saxophon herhalten musste und ein Tennisschläger zur imaginären Gitarre wurde. Klingt erstmal charmant verrückt, beschreibt aber ziemlich gut, worum es ihm geht: Kreativität, Echtheit und dieses unkomplizierte Lebensgefühl von früher.
Auch die Geschichten über Familienurlaube mit quietschenden Holzböden, Gemeinschaftsbad und Poolschrubben wirken nicht wie nostalgische Showeinlagen, sondern wie ehrliche Erinnerungen, die viele sofort nachvollziehen können. Genau daraus zieht „Aus artgerechter Haltung“ seine Stärke. Clou Simon versucht gar nicht erst, moderner oder cooler zu wirken als er ist. Stattdessen feiert er das Unperfekte und bleibt dabei angenehm bodenständig. Diese Haltung zieht sich durch das komplette Album. Mit insgesamt 18 Songs liefert er eine Mischung aus nachdenklichen Momenten, lockerem Schlager und kleinen Alltagsgeschichten, die mal zum Feiern und mal zum Nachdenken einladen.
Musikalisch setzt Clou Simon auf einen modernen Sound, ohne dabei seine Wurzeln zu verlieren. Besonders auffällig ist, dass viele Songs nicht einfach nur leichte Unterhaltung sein wollen. Die Texte haben Inhalt, erzählen Geschichten und wirken trotzdem nie schwer oder belehrend. Dabei erinnert die Art des Songwritings stellenweise tatsächlich an klassische Entertainer-Schule à la Udo Jürgens – allerdings mit zeitgemäßem Sound und deutlich persönlicherer Handschrift. Dass Clou Simon seine Songs selbst komponiert, hört man dem Album an. Alles wirkt nahbar, direkt und bewusst ohne übertriebene Effekte produziert. „Aus artgerechter Haltung“ ist deshalb kein Album für den schnellen Trend, sondern eher für Leute, die Musik mögen, die Charakter hat und auch nach mehreren Songs noch etwas zu erzählen weiß.