In der Phase, in der Conrad Schnitzler an „Control“ arbeitete, hatte er durch seine Verbindung zu Peter Baumann plötzlich Zugriff auf neue elektronische Spielzeuge – Synths, Geräte, Technik-Kram, der damals noch ziemlich nach Zukunft roch. Doch typisch Schnitzler: Er nutzt das alles nicht als Selbstzweck, sondern als Werkzeug für seine eigene Soundwelt. Wer Control hört, merkt sofort, dass hier keiner einfach nur Knöpfe dreht, um fancy zu wirken. Seine Handschrift ist überall präsent, egal wie unterschiedlich die Tracks wirken. Und genau das macht das Album spannend – es fühlt sich ein bisschen wie ein Mixtape seiner Ideen an, nur ohne den üblichen roten Faden, den man sonst erwartet.
Einige Tracks – besonders die Nummern 5 und 9 – liefern genau das, was man sich unter „klassischem Schnitzler“ vorstellt: flirrende, sich ständig bewegende Klangpartikel, die sich wie ein Schwarm durch den Raum ziehen. Dazu kommen diese typischen Glissandi, die wie kleine Rutscher durch den Sound gehen und alles in Bewegung halten. Dann wiederum gibt’s Stücke wie 1, 8, 11 und 12, die plötzlich fast schon ungewohnt wirken. Hier scheint Schnitzler mit harmonischeren Elementen zu spielen, fast so, als würde er kurz in Richtung traditioneller Musik rüberblinzeln – aber eben nur kurz. Berührungsängste? Fehlanzeige. Für ihn zählt nur, dass alles in seine Gesamtidee passt. Die ursprüngliche Veröffentlichung auf dem US-Label DYS Records macht das Ganze noch eigenwilliger: keine klar getrennten Tracks, nur „Control A“ und „Control B“, und alles läuft ohne Pause durch. Schon ein bisschen strange, aber genau das passt ins Konzept.
Auffällig ist auch, dass viele Stücke einfach ein- oder ausgeblendet werden. Das wirkt fast so, als hätte Schnitzler längere Aufnahmen zerschnitten und nur die interessantesten Momente rausgezogen. Oder er hat bewusst kürzere Skizzen gebaut, statt ausgearbeiteter Tracks. Sicher weiß man das nicht mehr – und vielleicht ist genau dieses Nichtwissen Teil des Reizes. Die meisten Stücke bleiben um die drei Minuten, manche drunter, manche drüber. Dadurch entsteht dieser leicht fragmentarische Eindruck, als würde man durch ein Skizzenbuch blättern. Aber eben kein chaotisches, sondern eins mit klaren Linien. Schnitzler zeigt ziemlich deutlich, wo er gerade musikalisch unterwegs ist. Stillstand war eh nie sein Ding – eher ein permanentes Weiterziehen. „Control“ fühlt sich genau danach an: wie ein Zwischenstopp voller Ideen, bevor es direkt weitergeht.