Courtney Barnett dreht weiter an der Gitarren-Schraube und droppt mit „Mantis“ und „Sugar Plum“ gleich zwei neue Songs aus ihrem kommenden Album „Creature of Habit“. Es sind die dritte und vierte Single – und beide zeigen, dass hier jemand nicht nur Songs schreibt, sondern kleine Gedankengebäude baut. „Mantis“ ist dabei so etwas wie das emotionale Zentrum der Platte. Die Story dahinter klingt fast wie ein Indie-Film: Eine Gottesanbeterin taucht im Studio auf, Barnett deutet das Ganze als kosmischen Wink – und plötzlich fließt der Refrain. „Praying mantis on my door…“, singt sie über Gitarren, die hell aufleuchten wie ein Sonnenaufgang irgendwo zwischen Wüste und Weitblick. Der Track wirkt klarer, melodischer, fast schon leuchtend. Keine Spur von verkopfter Zurückhaltung, sondern Fokus.
Auch „Sugar Plum“ knüpft genau da an, wo Zweifel und Hoffnung miteinander ringen. Das Stück startet nachdenklich, fast fragil, und wächst dann in einen Schlussrefrain hinein, der Optimismus nicht predigt, sondern fühlt. Viele Songs auf „Creature of Habit“ kreisen um Selbstzweifel, um das Gefühl, sich selbst im Weg zu stehen. Statt das glattzubügeln, lässt Barnett die Unsicherheiten einfach mitspielen. Nach ihrem Umzug von Australien nach Los Angeles und dem Ende ihres Labels Milk! Records stand einiges auf der Kippe. Genau diese Umbrüche sickern ins Album. Schon die Singles „Stay in Your Lane“ und „Site Unseen (feat. Waxahatchee)“ haben gezeigt, dass hier ein neues Kapitel aufgeschlagen wird – persönlicher, direkter, ohne große Schutzschicht.
Wer Barnetts Werdegang verfolgt, weiß, dass sie Alltagsmomente in Songzeilen verwandeln kann, die hängen bleiben. Mit „The Double EP: A Sea of Split Peas“ machte sie erstmals ernsthaft auf sich aufmerksam, „Sometimes I Sit and Think, and Sometimes I Just Sit“ brachte den Durchbruch inklusive Grammy-Nominierung. Später folgten „Lotta Sea Lice“ mit Kurt Vile, das politisch gefärbte „Tell Me How You Really Feel“ mit „Nameless, Faceless“ und schließlich „Things Take Time, Take Time“, das ihren Sound weiter öffnete. „Creature of Habit“ wirkt nun wie die logische Fortsetzung: weniger Ablenkung, mehr Kern. Und irgendwo zwischen Kaffee, Küchentür und Gottesanbeterin findet Barnett genau das, was sie gesucht hat – einen Song, der den Weg weist.