Cover: Die Lauser - Rückenwind
6/8
mix1 Bewertung

„Rückenwind“: Die Lauser singen über Mut und Freundschaft

Gegenwind kennt jeder. Diese Tage, an denen selbst Kleinigkeiten erstaunlich viel Energie kosten und der Blick nach vorne ein bisschen schwerer fällt. Die Lauser drehen dieses Bild für ihre Single „Rückenwind“ kurzerhand um. Der Song beschäftigt sich mit jenen Dingen, die Menschen wieder antreiben können: Freundschaft, gemeinsame Erlebnisse, Erinnerungen, Heimat und nicht zuletzt Musik. Dahinter steckt eine ziemlich einfache Idee. Es braucht nicht immer den großen Neustart, manchmal genügt ein kleiner Impuls, damit die Richtung wieder stimmt. Genau dort setzt der Text an. Statt Probleme auszubreiten, beschäftigt er sich mit dem nächsten Schritt und dem Mut, ihn tatsächlich zu machen. Dazu gehört auch, den Moment nicht ständig gegen morgen einzutauschen. Genießen, was gerade da ist, an sich selbst glauben und mit anderen neue Abenteuer beginnen – diese Gedanken ziehen sich durch den Titel. Die Lauser bleiben damit nah an Situationen, die ohne komplizierte Erklärung funktionieren. Jeder hat schließlich Menschen, Orte, Lieder oder Erinnerungen, die einen zur passenden Zeit wieder anschieben. Und manchmal kommt dieser Schubs eben aus den Lautsprechern.

Musikalisch landet die Nummer klar im Austropop, bekommt durch hörbare Rockelemente allerdings eine zusätzliche Kante. Eine eingängige Melodie bildet das Gerüst, der deutschsprachige Text hält die Geschichte verständlich und direkt. Heimat spielt ebenfalls eine Rolle. Nicht als abstraktes Schlagwort, sondern zusammen mit den besonderen Momenten, die man mit bestimmten Orten und Menschen verbindet. Freiheit und Freundschaft gehören genauso dazu. So entsteht ein Song über das Unterwegssein, ohne dass dafür zwingend der Koffer gepackt werden muss. Denn Bewegung kann schließlich auch bedeuten, nach einer schwierigen Phase wieder Lust auf etwas Neues zu bekommen. Der Titel selbst funktioniert dafür als passendes Bild: Rückenwind nimmt einem den Weg nicht ab, macht die nächsten Meter aber angenehmer. Die Lauser verknüpfen diesen Gedanken mit ihrem Austropop-Sound und einer Portion Rock. Das passt zum Grundgedanken des Stücks, denn allzu nachdenklich soll es hier gar nicht werden. „Rückenwind“ schaut lieber dorthin, wo etwas beginnen kann. Sehnsucht und Hoffnung finden im Text ebenso Platz wie Zusammenhalt. Keine komplizierte Botschaft, kein philosophischer Überbau. Eher die Erinnerung daran, dass Zuversicht gelegentlich aus überraschend kleinen Dingen entsteht.

Interessant ist dabei, wie viele Formen dieser persönliche Anschub haben kann. Eine Begegnung kann reichen. Eine Erinnerung an einen guten Tag ebenso. Vielleicht ist es die vertraute Heimat, vielleicht ein gemeinsames Erlebnis mit Freunden oder schlicht ein Lied im richtigen Moment. Genau diese verschiedenen Quellen greift „Rückenwind“ auf und bündelt sie unter einem leicht verständlichen Begriff. Daraus ergibt sich auch die positive Grundhaltung des Songs, ohne dass Schwierigkeiten komplett ausgeblendet werden. Gegenwind gehört ausdrücklich zum Bild. Entscheidend ist vielmehr die Frage, was danach passiert. Die Lauser beantworten sie mit Gemeinschaft, Selbstvertrauen und Lust auf neue Erfahrungen. Der Austropop-Rahmen hält das Ganze bodenständig, während die Rockelemente der Melodie zusätzlichen Schub geben. Wer bei einem Titel namens „Rückenwind“ eine Gebrauchsanweisung für ein sorgenfreies Leben erwartet, dürfte also falsch abgebogen sein. Darum geht es nicht. Viel konkreter handelt der Song von Momenten und Menschen, die helfen können, wieder Fahrt aufzunehmen. Das kann beim gemeinsamen Losziehen passieren, beim Gedanken an Zuhause oder beim Hören von Musik. Und vielleicht liegt genau darin die angenehm unkomplizierte Idee des Stücks: Man muss nicht immer wissen, wo der komplette Weg hinführt. Für den Anfang reicht manchmal schon der Impuls, überhaupt wieder loszugehen.
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