Cover: DONATA - Strenght
7/8
mix1 Bewertung
Album

Strenght

DONATA

Label: Glitterhouse Records
Kategorie: Pop | Alternativ
Veröffentlichung: 13.11.2026
Promotion: Song promoten?

Bestelllinks erscheinen in der Regel am Veröffentlichungstag (13.11.2026).

DONATA: „Strenght“ zwischen Indie-Pop und Lo-Fi

Nach den Alben „Imaginary Land“ und „Alchemy“ schlägt DONATA mit ihrer EP „Strenght“ ein neues Kapitel auf. Der Titel ist dabei Programm: Stärke wird hier nicht als permanente Kontrolle verstanden, sondern als etwas, das gerade aus Verlust, Überforderung, Akzeptanz und schließlich neuer Handlungsfähigkeit entstehen kann. Musikalisch bewegt sich die EP zwischen Pop, Indie und einem Songwriting, das viel Platz für Klangfarben lässt. Wer DONATAs frühere Arbeit mit NOSOYO kennt, findet einige vertraute Merkmale wieder: organische Sounds, präzise Arrangements und Melodien mit klarer Kontur. Diesmal wirkt das Material allerdings erwachsener und reduzierter. Warme Klavier- und Bassklänge treffen auf trockene Drums, analoge Texturen und weit angelegte Vocal-Arrangements. Als Referenzpunkte nennt die Vorlage Morcheeba für Gelassenheit und Groove, Feist für die direkte, intime Seite und Bon Iver für klangliche Weite. Inhaltlich folgt „Strenght“ einer Bewegung vom Feststecken hin zum erneuten Handeln. Keine Heldengeschichte mit wehenden Fahnen, eher die wesentlich schwierigere Frage, was passiert, nachdem etwas nicht funktioniert hat. Genau dort beginnt die EP: bei Kontrollverlust, schmerzhaften Einschnitten und der Entscheidung, nicht dauerhaft in ihnen wohnen zu bleiben.

Die einzelnen Songs greifen verschiedene Stationen dieses Prozesses auf. „In Retrospect“ bildet einen entscheidenden Punkt und arbeitet mit einem treibenden Beat sowie einer für DONATA ungewöhnlich elektronischen Klangsprache. Inhaltlich geht es um die befreiende Erkenntnis, einen schmerzhaften Abschnitt hinter sich lassen zu können. Loslassen erscheint nicht als Niederlage oder destruktive Handlung, sondern als Voraussetzung dafür, dass Veränderung überhaupt möglich wird. Der Titelsong „Strenght“ rückt dieses Zentrum noch näher heran und arbeitet musikalisch bewusst mit Zurückhaltung. „Irrational“ öffnet anschließend den Blick nach vorn. Lo-Fi-Beats, Indie-Bass, sommerliche Gitarren und eine hörbar spielerische Leichtigkeit geben dem Stück Roadtrip-Charakter. Thematisch kehren Vertrauen und Zuversicht zurück; die eigene Geschichte verliert für einen Moment ihre alles bestimmende Größe. Hinter diesen Songs stehen laut Vorlage durchaus widersprüchliche Gedanken. DONATA versucht nicht, sie durch Pathos auf eine griffige Botschaft herunterzubrechen. Vielmehr geht es um die Grenze zwischen Kontrollierbarkeit und Loslassen, um Mut, Akzeptanz und die Frage, was Stärke eigentlich bedeutet, wenn Kontrolle gerade nicht mehr funktioniert. Diese Idee steckt auch in der Produktion. Präzision bleibt wichtig, darf aber nicht jede spontane Reaktion aus der Aufnahme bügeln. Das ist ein kleiner, aber entscheidender Unterschied: Perfektionismus sitzt weiterhin mit im Raum, bekommt diesmal allerdings nicht automatisch das letzte Wort.

Entsprechend wichtig war die Entscheidung, „Strenght“ gemeinsam mit einer Band zu entwickeln und live im Studio aufzunehmen. Statt Musik aus voneinander isolierten und anschließend geglätteten Einzelspuren zusammenzubauen, reagieren die Beteiligten während des Spielens aufeinander. Bassistin Jasja Offermans gehört zur Besetzung, Aron Ottignon spielt Keyboards, Tobias Humble Schlagzeug. Der britische Komponist Simon Goff ergänzte ausgewählte Stücke mit Streicher- und Synthesizer-Arrangements. Nach DONATAs Jahren als Solokünstlerin und der damit verbundenen großen Freiheit, aber auch Isolation im kreativen Prozess, hatte diese Rückkehr zum gemeinsamen Aufnehmen noch eine zweite Bedeutung. Kollektives Arbeiten wurde wieder Teil der Entstehung. Verantwortung ist dabei ein wiederkehrender Gedanke – persönlich, strukturell und mit Blick auf die Bedingungen, unter denen Kunst überhaupt entsteht. Musikindustrie, gesellschaftliche Rollen und Zugehörigkeit werden in diesem Zusammenhang ausdrücklich mitgedacht. Das passt zu einer EP, die Stärke nicht mit Lautstärke verwechselt. Die Bandaufnahmen lassen Reaktionen zwischen den Musikerinnen und Musikern zu, während die Arrangements konzentriert bleiben. Klavier, Bass, trockene Drums, Gitarren, Streicher, Synthesizer und mehrschichtige Stimmen bekommen jeweils ihren Platz, ohne dass alles gleichzeitig nach vorne drängt. Zwischen Indie, Pop, Lo-Fi und elektronischen Elementen entsteht so ein genauer Gegenentwurf zum Hochglanz-Prinzip: Entscheidungen bleiben hörbar, kleine Risiken ebenfalls. „Strenght“ erzählt letztlich davon, dass Kontrolle irgendwann endet. DONATA interessiert sich vor allem für das, was danach möglich wird.
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