Cover: Dorfterror - Schreikinder
6/8
Eigene Redaktionseinschätzung

Dorfterror veröffentlichen Punkalbum „Schreikinder“

Zwischen Dorftristesse, Weltuntergangsstimmung und Gaffa auf der Gitarrenbuchse haben Dorfterror ihr zweites Album rausgehauen – Schreikinder. Und ja, der Name ist Programm. Die Songs klingen, als hätte jemand Wut in Noten gegossen und dann ein bisschen Melancholie draufgestreut. Inhaltlich ist das hier kein Wohlfühl-Punk zum Mitgrölen auf der Dorfkirmes – sondern eine zornige Momentaufnahme einer Generation, die sich fragt, wie man zwischen Neofaschismus, Klimakrise und toxischer Männlichkeit eigentlich noch halbwegs klar kommt. Dorfterror machen keinen Hehl daraus, dass sie keinen Bock auf „weiter so“ haben. Statt sich die Realität schönzutrinken, wird in Tracks wie “Kein Fußbreit” oder “Welt zu klein” der Mittelfinger poliert – gegen Spießertum, Ignoranz und die Doppelmoral der Szene inklusive.

Was auffällt: Der Sound ist fetter geworden, aber nicht glattgebügelt. Produziert wurde wieder im Tonstudio45 mit Kurt Ebelhäuser und Michel Wern – das hört man. Der Mix knallt, bleibt aber roh genug, um nicht steril zu wirken. Inhaltlich pendelt Schreikinder zwischen Frustration und Hoffnung, Dystopie und Solidarität. Da gibt’s keine schiefen Parolen, sondern gut durchdachte Zeilen, die sich tief ins Hirn graben. Die Band bleibt dabei herrlich unangepasst – irgendwo zwischen Demo-Wagen, DIY-Kellerkonzert und Festival-Stage. Und das ist auch gut so. Was früher zwischen Schulstress und Gitarrenunterricht in Oberbillig begann, ist heute das Sprachrohr für all die, die keinen Bock mehr haben, sich als „Generation Zuviel“ abstempeln zu lassen.

Dorfterror haben in den letzten Jahren nicht nur musikalisch geliefert – sie haben sich eingebracht, organisiert, aufgebaut. Vom Jugendfestival in Konz bis zum Brunnenprojekt in Südafrika – alles DIY, alles echt. Mit Schreikinder setzen sie da an, wo andere aufgeben würden: Laut sein, unbequem sein, Hoffnung machen. Die Platte ist keine einfache Kost – aber sie ist wichtig. Und wahrscheinlich genau das, was wir 2026 brauchen: Musik, die nicht einfach nur durchläuft, sondern hängenbleibt.

Tracklist

01. Alle sind allein (Intro)
02. Und machen nie mehr mit
03. Drei Akkorde, trotzdem nice
04. Welt zu klein
05. Oh Panama
06. Kein Fußbreit – Dorfterror feat. Sebastian Krumbiegel, Graupause, Der Ganze Rest, Popperklopper, Sinnfrei & Destination Anywhere
07. Blaue Haare
08. Kein Lied vom Teilen – Dorfterror feat. Basti und die Schreikinder
09. Lotterie des Lebens
10. Fassaden
11. Grüne Hölle
12. No Future Kid
13. Nur mit euch