Der kanadisch-indische Singer-Songwriter Edwin Raphael öffnet mit seinem neuen Album „I Know A Garden“ die Tür zu einem ziemlich besonderen Ort. Gemeint ist kein realer Garten, sondern ein innerer Raum aus Erinnerungen, Kindheitsgeschichten und spirituellen Spuren. Die Platte erscheint über Favourite Library und fühlt sich an wie ein Spaziergang durch einen verwunschenen Park im Kopf. Zwischen Chamber-Pop, sanften Melodien und verträumten Arrangements baut Raphael eine Atmosphäre, die eher flüstert als laut wird. Wer sein Album „Warm Terracotta“ kennt, merkt schnell: Diesmal geht die Reise nicht mehr über imaginäre Inselküsten, sondern tiefer hinein ins eigene Innenleben. Dort wartet ein grüner Rückzugsort, in dem Vergangenheit und Gegenwart miteinander reden.
Musikalisch wächst auf „I Know A Garden“ ein dichtes Geflecht aus träumerischen Klängen. Streicher, zarte Gitarren und warme Harmonien bilden den Soundtrack für eine Art Erinnerungsreise. Raphael beschreibt das Album selbst als einen „Palast aus Kindheitserinnerungen“, gebaut aus kleinen Mythen seiner Eltern und einer Spiritualität, die lange irgendwo im Hintergrund schlummerte. Jeder Song wirkt wie eine eigene Lichtung in diesem Garten. Die Single „First Time On Earth“ markiert dabei den ersten Schritt auf diese imaginäre Insel – ein Moment zwischen Staunen und Unsicherheit. Alles fühlt sich neu an, fast surreal, und doch steckt darin eine gewisse Schönheit. Der Song fragt leise: Wir sind hier, wir erleben alles bewusst – aber fühlen andere Menschen das genauso?
Weitere Stücke öffnen neue Perspektiven in Raphaels Erinnerungswelt. „Hymn for a Dragonfly“ greift eine Szene aus seiner Kindheit auf, als er mit seiner Familie regelmäßig nach Indien reiste und Zeit im Wald rund um das Haus seiner Mutter verbrachte. Eine fast magische Erinnerung an eine Libelle, die kleine Kieselsteine aufhob, wirkt wie ein kleines Märchen aus der Realität. Gleichzeitig zeigt das Album auch nachdenkliche Seiten: „Shame You Swim So Well“ kreist um Unsicherheiten im eigenen Körper, während „Moonstruck“ über gesellschaftliche Grenzen spricht, die mit dem Leben als Person of Colour verbunden sein können. Am Ende steht „Sunbeam“, ein ruhiger Abschluss, der den Tageslauf in eine Art musikalisches Wiegenlied verwandelt. Die Botschaft dahinter ist simpel: Man bekommt nur diesen einen kleinen Sonnenstrahl am Tag – also lohnt es sich, genau hinzuschauen.