Cover: Ela Zuberi - È Amore
7/8
mix1 Bewertung

„È Amore“: Ela Zuberi entdeckt alte Aufnahme neu

Manche Songs brauchen ein paar Wochen bis zur Veröffentlichung. „È Amore“ von Ela Zuberi hat sich deutlich mehr Zeit genommen. Die erste Aufnahme entstand bereits 2010. André Stade hatte den Titel eigens für die Sängerin komponiert, geschrieben und produziert, veröffentlicht wurde er damals allerdings nicht. Danach verloren sich Zuberi und Stade für viele Jahre aus den Augen – und der Song verschwand erst einmal im Archiv. Dort hätte die Geschichte problemlos enden können. Beim späteren Sichten alter Aufnahmen stieß Ela Zuberi jedoch wieder auf „È Amore“ und entschied sich, das Stück noch einmal anzufassen. Statt die damalige Aufnahme einfach nachträglich herauszubringen, begann eine grundlegende Überarbeitung. Produzentin Petra Bonmassar, die unter anderem mit Andrea Berg, Sonia Liebig und Thomas Anders gearbeitet hat, arrangierte den Titel komplett neu und überarbeitete auch den Text. Für die neue Produktion kam Simeon Holzer hinzu, der unter anderem mit DJ Antoine und Sonia Liebig gearbeitet hat. Das Ergebnis hat mit der ursprünglichen, ruhigeren Fassung nur noch wenig gemeinsam. Geblieben ist vor allem die Grundidee. Aus dem damaligen Song wurde eine schnellere Popschlager-Produktion mit mediterranem Groove und klarer Ausrichtung auf Tanzbarkeit. Sechzehn Jahre später bekommt die Komposition damit nicht einfach ihre verspätete Veröffentlichung, sondern eine weitreichende Überarbeitung. Fürs Archiv war die alte Aufnahme offenbar zu schade, fürs bloße Abstauben aber auch.

Inhaltlich dreht sich „È Amore“ um Sehnsucht, Herzklopfen und jenen Moment, in dem ein Blick plötzlich die Richtung vorgibt. Italienische Begriffe und sommerliche Bilder ziehen sich durch den Text. Getanzt wird unter Sternen, das bekannte Kribbeln im Bauch gehört ebenfalls zur Geschichte. Die Hook arbeitet mit „È Amore“, „Ciao Amore Baby“ und kurzen „Ah-Aha“-Passagen, wodurch die italienische Note direkt im Refrain landet. Der mediterrane Ansatz beschränkt sich damit nicht auf das Arrangement, sondern steckt bereits in Sprache und Szenerie des Songs. Gleichzeitig bleibt die Konstruktion klar im Popschlager verankert. Die frühere ruhige Fassung wurde zugunsten eines Uptempo-Ansatzes verworfen, Petra Bonmassar und Simeon Holzer haben den Titel produktionstechnisch neu aufgebaut. Bemerkenswert ist dabei die personelle Geschichte hinter der Aufnahme: Ausgangspunkt bleibt André Stades eigens für Ela Zuberi geschriebener Song, während die heute veröffentlichte Fassung durch Bonmassars neues Arrangement, die textliche Überarbeitung und die gemeinsame Produktion mit Holzer entstanden ist. Damit liegen zwischen ursprünglicher Idee und fertiger Single nicht nur viele Jahre, sondern auch zwei deutlich unterschiedliche musikalische Ansätze. Die alte Aufnahme dient eher als Ausgangsmaterial denn als Blaupause. Das erklärt auch, weshalb „neu erdacht“ hier ziemlich wörtlich genommen werden darf. Es wurde nicht lediglich ein Beat ausgetauscht oder das Tempo etwas angezogen. Nach den Angaben zur Entstehung blieb von der damaligen Version kaum etwas bestehen – abgesehen von jener Idee, wegen der Ela Zuberi den Titel überhaupt wieder aus dem Archiv geholt hat.

Gerade diese Entstehungsgeschichte macht „È Amore“ zu einem ungewöhnlichen Fall. Songs, die jahrelang unveröffentlicht bleiben, verschwinden normalerweise aus dem öffentlichen Blick, bevor sie überhaupt dort angekommen sind. Bei Ela Zuberi führte der Griff ins eigene Aufnahme-Archiv dagegen zu einer neuen Produktion. Der zeitliche Abstand bot offenbar genügend Anlass, das Material nicht nostalgisch zu konservieren, sondern neu zu bearbeiten. So trifft André Stades ursprüngliche Komposition auf die spätere Arbeit von Petra Bonmassar und Simeon Holzer. Inhaltlich bleibt die Liebesgeschichte bewusst unkompliziert: Sehnsucht, ein besonderer Blick, Tanzen unter Sternen und die Hoffnung auf eine gemeinsame Nacht bilden die Eckpunkte. Musikalisch wurde daraus ein Uptempo-Popschlager mit mediterranem Einschlag. Ela Zuberis Gesang ist dabei auf Leichtigkeit angelegt, passend zum schnelleren Charakter der neuen Fassung. Die Nummer ist für Radio, Bühne und Tanzfläche gedacht, ohne ihre Herkunft aus einer wesentlich ruhigeren Aufnahme zu verstecken. Interessant bleibt vor allem die Frage, was mit einem Song passiert, wenn zwischen erster Aufnahme und endgültiger Veröffentlichung so viel Zeit liegt. Bei „È Amore“ lautet die Antwort: ziemlich viel. Arrangement, Text und Produktion wurden neu bearbeitet, das Tempo und damit der gesamte Charakter verändert. Nur der Ausgangspunkt hat sechzehn Jahre überstanden. Andere Titel bekommen einen Remix nach ein paar Monaten. Dieser hier musste erst einmal anderthalb Jahrzehnte im Archiv verbringen, bevor er überhaupt seine erste reguläre Runde drehen durfte.

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