„when we’re leaving“: Emotionaler Elektro-Pop von Emma Naughton
Emma Naughton macht keine halben Sachen. Mit „when we’re leaving“ droppt die deutsch-irische Newcomerin den nächsten Einblick in ihr kommendes Album „beyond.infinity“ – und der geht direkt unter die Haut. Der Track fühlt sich an wie ein gedanklicher Trip irgendwo zwischen Weltall und Wohnzimmerboden, zwischen existenziellen Fragen und sehr persönlichen Erinnerungen. Es geht um Unendlichkeit, klar – aber nicht so abstrakt, wie man es aus dem Philosophieunterricht kennt, sondern runtergebrochen auf Momente, die sich einfach ewig anfühlen. Liebe, Verlust, Verbundenheit. Diese Sekunden, die sich ausdehnen, bis sie fast greifbar werden. Besonders intensiv wird es, wenn Emma den Tod ihres Vaters verarbeitet. Diese Bilder von enger werdender Luft und Wänden, die näher rücken, treffen ziemlich direkt. Gleichzeitig wirft sie einen fast tröstlichen Blick nach oben: Vielleicht endet nicht alles im Nichts, sondern irgendwo zwischen Sternen, wo aus Herzen etwas Neues wird.
Soundtechnisch geht sie dabei einen mutigen Schritt weiter. Wer sie bisher eher mit akustischer Gitarre und klarer, fast zerbrechlicher Stimme auf dem Schirm hatte, wird hier kurz überrascht sein. „when we’re leaving“ mixt atmosphärische Elektroflächen mit einem dezenten House-Beat, der sich unaufdringlich durch den Song zieht. Das Ganze bleibt aber weit weg von Club-Banger-Vibes. Stattdessen entsteht so ein eigenartiger Schwebezustand – irgendwo zwischen Tanzen und Nachdenken. Genau dieses Spannungsfeld macht den Track spannend: leicht und schwer gleichzeitig, traurig und hoffnungsvoll, nostalgisch und trotzdem ziemlich modern. Es wirkt, als würde der Sound genau die Fragen spiegeln, die im Text gestellt werden – nichts ist eindeutig, alles bleibt in Bewegung.
Als Opener für „beyond.infinity“ funktioniert der Song ziemlich gut. Er macht nicht den Sack zu, sondern öffnet ihn erst richtig. Man bekommt das Gefühl, dass hier eine Reise startet, die noch einige emotionale Kurven bereithält. Dass Emma das alles komplett unabhängig und in Eigenregie durchzieht, gibt dem Ganzen noch eine zusätzliche Ebene. Es klingt nicht geschniegelt oder kalkuliert, sondern ehrlich und roh an den richtigen Stellen. Der kleine Verweis auf ihre Jugend und die Inspiration durch Avicii zeigt auch, woher dieser Mix aus Melancholie und elektronischem Sound kommt. Am Ende bleibt vor allem eins hängen: Neugier. Weil man wissen will, wohin diese Reise noch geht – und welche Antworten vielleicht noch kommen.
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