Erik Grönwall hat schon ziemlich viele Bühnen gesehen, auf denen andere Leute vermutlich erst mal nervös ihre Wasserflasche suchen würden. Als Sänger von Skid Row und H.E.A.T hat er sich mit einer Stimme durchgesetzt, die nicht höflich anklopft, sondern direkt die Tür auftritt. Dazu kamen Touren durch Europa und Japan mit Michael Schenker, inklusive Studioarbeit für ein UFO-Jubiläumsalbum. Klingt nach einem Lebenslauf, bei dem man beim Lesen kurz Luft holen muss. Mit „Bad Bones“ stellt Erik den Scheinwerfer nun aber nicht mehr auf fremde Bandgeschichten, sondern auf sich selbst.
Das Spannende daran: „Bad Bones“ wirkt nicht wie ein Nebenprojekt, das mal eben zwischen zwei Tourkoffern entstanden ist. Die Songs bestehen komplett aus eigenem Material und zielen genau dahin, wo Rock am besten funktioniert: auf Bauchgefühl, Druck und ehrliche Kanten. Der Titelsong macht direkt klar, dass hier niemand auf Hochglanz poliert wurde. Erik singt nicht einfach nur groß, er klingt auch so, als hätte er etwas loszuwerden. Und genau das macht die Sache interessant. Statt nur zu zeigen, wie hoch, laut oder sauber er singen kann, geht es um Persönlichkeit. Klar, die Stimme bleibt ein Brett, aber diesmal hängt daran mehr als nur Show.
Parallel hat Erik sich längst auch online eine riesige Fanbase aufgebaut. Seine YouTube-Versionen bekannter Songs sammelten Millionen Klicks, weil er nicht wie eine Karaoke-Maschine mit Fitnessstudio-Abo klingt, sondern bekannte Nummern mit eigener Energie füllt. Bei „Bad Bones“ nutzt er genau diese direkte Verbindung, nur eben mit seinen eigenen Geschichten. Das Album fühlt sich wie ein Schritt raus aus der Rolle des starken Frontmanns und rein in die eigene Zentrale an. Wer Erik bisher vor allem als Sänger großer Rocknamen kannte, bekommt hier einen Künstler, der nicht nur liefern, sondern erzählen will. „Bad Bones“ ist rau, persönlich und selbstbewusst, ohne sich dabei unnötig aufzublasen.