EVERGREY bleiben auch auf „Architects Of A New Weave“ die unangefochtenen Spezialisten für schwere Emotionen und düstere Atmosphäre. Die schwedische Progressive-Metal-Band schafft es erneut, Melancholie und Härte so miteinander zu verbinden, dass beides gleichzeitig intensiv wirkt. Schon nach wenigen Minuten wird klar, dass die Gruppe ihren Sound weiter verfeinert hat. Dicke Gitarrenriffs treffen auf nachdenkliche Melodien, während Tom S. Englund mit seiner markanten Stimme genau die richtige Mischung aus Wut, Schmerz und Hoffnung transportiert. Genau diese emotionale Tiefe macht EVERGREY seit Jahrzehnten besonders.
Das mittlerweile 15. Studioalbum klingt dabei erstaunlich fokussiert und kraftvoll. Die Songs wirken oft wie kleine Filmszenen aus den dunkelsten Ecken des Kopfes, nur um plötzlich wieder Licht und Zuversicht durchzulassen. Gerade dieser ständige Wechsel sorgt dafür, dass „Architects Of A New Weave“ nicht in durchgehender Schwere versinkt. Stattdessen entsteht eine intensive Dynamik zwischen Verletzlichkeit und Stärke. EVERGREY schaffen es, bedrückende Stimmung aufzubauen und gleichzeitig Momente einzustreuen, die fast schon befreiend wirken. Genau darin liegt die große Stärke der Band: Sie können emotional ziemlich hart treffen, ohne jemals hoffnungslos zu klingen.
Nach über 30 Jahren Karriere zeigen EVERGREY außerdem keinerlei Anzeichen von Routine. Viele Bands verlieren mit der Zeit an Spannung oder klingen irgendwann wie eine Kopie ihrer früheren Werke. Bei EVERGREY wirkt das Gegenteil der Fall. Die Band entwickelt ihren Stil weiter, ohne ihre Identität aufzugeben. „Architects Of A New Weave“ klingt modern, detailreich und gleichzeitig unverkennbar nach EVERGREY. Damit bauen die Schweden ihr ohnehin starkes Vermächtnis weiter aus und beweisen erneut, warum sie im Progressive Metal eine ganz eigene Rolle spielen.