Cover: Faravaz - Butterfly
6/8
mix1 Bewertung

„Butterfly“: Faravaz setzt Zeichen für Sichtbarkeit

Manche Songs fühlen sich an wie ein Statement – und genau in diese Kategorie fällt „Butterfly“. Die in Berlin lebende iranische Sängerin, Songwriterin und Aktivistin Faravaz nutzt ihre neue Single, um Sichtbarkeit, Gemeinschaft und Widerstand miteinander zu verbinden. Der Track erscheint rund um den Trans Visibility Day und bringt dabei nicht nur eine klare Botschaft mit, sondern auch eine beeindruckende musikalische Kollaboration. Insgesamt rund fünfzehn FLINTA*-Sänger:innen und Rapper:innen wirken an dem Song mit, dazu kommt der Chor D-Dur Dykes, der als größter FLINTA*-Chor Europas gilt. Allein diese Konstellation zeigt schon: „Butterfly“ ist weniger ein klassischer Solo-Release als vielmehr ein kollektives Projekt, das verschiedene Stimmen zusammenführt. Musikalisch bewegt sich der Song zwischen Pop, elektronischen Elementen und hymnischen Chorpassagen. Die vielen Stimmen sorgen dafür, dass der Track immer wieder neue Dynamiken entwickelt. Einzelne Parts gehen in gemeinsame Refrains über, Rap-Passagen treffen auf melodische Hooklines. Dadurch entsteht ein Sound, der gleichzeitig intim und groß wirkt. Geschrieben wurde „Butterfly“ von Faravaz und Danilo Timm, doch die vielen beteiligten Künstler:innen prägen den Song hörbar mit. Mit dabei sind unter anderem Jennifer Weist, Sookee, Mine, Lin, Kelz, Lisae, Iuma, Ay Wing, Jon Darc, Brix Schaumburg, Dan Perry, Vavunettha und Theresa Zanon. Diese Mischung aus unterschiedlichen Stimmen und musikalischen Hintergründen macht den Track abwechslungsreich und verleiht ihm eine klare kollektive Energie. Inhaltlich dreht sich „Butterfly“ um das Überleben und die Sichtbarkeit queerer Menschen. Faravaz beschreibt den Song als Reaktion auf Systeme, die versuchen, bestimmte Identitäten zu unterdrücken oder unsichtbar zu machen. Statt nur auf individuelle Erfahrungen zu setzen, stellt der Track die Kraft von Gemeinschaft in den Mittelpunkt. Gerade in Ländern, in denen LGBTQ+-Identitäten kriminalisiert oder gesellschaftlich massiv angegriffen werden, bekommt diese Botschaft zusätzliches Gewicht. Die Metapher des Schmetterlings steht dabei für Transformation, Widerstand und die Möglichkeit, trotz widriger Umstände sichtbar zu werden. Spannend ist auch die Veröffentlichung selbst: Neben der Hauptsingle erscheinen eine Acoustic-Version, ein Instrumental und ein Remix. Zusammen bilden sie die „Butterfly“-EP, die den Song aus mehreren Perspektiven hörbar macht. Während die Hauptversion durch ihre vielen Stimmen und Arrangements geprägt ist, dürfte die akustische Variante die emotionale Seite stärker in den Vordergrund rücken. Insgesamt wirkt „Butterfly“ wie ein musikalisches Gemeinschaftsprojekt mit klarer Haltung. Der Track verbindet Aktivismus und Pop, ohne dass sich das eine über das andere legt. Stattdessen entsteht ein Song, der sowohl musikalisch funktioniert als auch eine Botschaft transportiert – getragen von vielen Stimmen, die gemeinsam deutlich machen, wie stark kollektive Sichtbarkeit sein kann.

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