Farin Urlaub überrascht mit „Happy 2bD“
Wenn Farin Urlaub eine neue Single raushaut, ist klar: Das wird kein glattgebügelter Radiosong. „Happy 2bD“ wirkt wie ein ironisches Augenzwinkern Richtung Nationalgefühl – irgendwo zwischen Selbstironie und spitzer Gesellschaftsbeobachtung. Schon der Titel spielt mit dieser typischen „Darf man das sagen?“-Haltung und dreht sie einmal komplett auf links. Statt plumpem Patriotismus gibt’s hier eher ein leicht schräges „Ja, okay, wir sind halt Deutschland – und jetzt?“ Musikalisch erinnert der Track stellenweise an die gute alte Neue Deutsche Welle, aber eben mit einem modernen Twist, der nicht nach Retro-Party klingt, sondern nach Gegenwart.
Textlich bleibt Farin Urlaub sich treu: ein bisschen bissig, ein bisschen verspielt und immer mit einem Blick auf das große Ganze. Zwischen Bratwurst-Klischees und bröckelnden Wirtschaftsikonen wird hier kein klarer Zeigefinger erhoben, sondern eher ein schräges Stimmungsbild gemalt. Deutschland wirkt in „Happy 2bD“ wie ein Ort, der sich selbst nicht so ganz sicher ist, wo er gerade steht – und genau da setzt der Song an. Statt in Pessimismus abzurutschen, gibt’s eine Art musikalisches Schulterzucken mit Ansage: Probleme sind da, klar, aber man kann ihnen auch mit einem gewissen Humor begegnen. Dieses „Umarmt, was euch kaputt macht“ klingt dabei fast wie ein paradoxes Lebensmotto, das erstaunlich gut funktioniert.
Dass „Happy 2bD“ die erste Single aus dem kommenden Album ist, macht die Sache noch spannender. Der Track fühlt sich wie ein Vorbote an, der zeigt, in welche Richtung es gehen könnte: weniger Nostalgie, mehr Kommentar zur Gegenwart. Farin Urlaub bleibt dabei der Typ, der sich nicht zu ernst nimmt, aber trotzdem ziemlich genau hinschaut. Und genau das macht den Song interessant – weil er nicht einfach nur provoziert, sondern zum Nachdenken anregt, ohne die Stimmung komplett runterzuziehen. Ein bisschen Chaos, ein bisschen Haltung und irgendwo dazwischen ein Refrain, der hängen bleibt.
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