Cover: Floraphoniker - Roude Ruam
6/8
mix1 Bewertung

Floraphoniker machen mit „Roude Ruam“ Gartengeräte hörbar

Zwanzig Jahre Live-Erfahrung, Auftritte in den verschiedensten Gärten Europas und Instrumente, bei denen der Baumarkt vermutlich näherliegt als der klassische Musikalienhandel: Die Floraphoniker haben sich für ihre erste Single reichlich Zeit gelassen. „Roude Ruam“ bringt die Gruppe nun erstmals mit einer eigenen Veröffentlichung auf den Musikmarkt. Für das Publikum dürfte dieser Schritt keine große Überraschung sein. Fans hatten sich schon länger gewünscht, die Musik der Floraphoniker nicht ausschließlich bei ihren Auftritten erleben zu können. Nach zwei Jahrzehnten Live-Performance wird dieser Wunsch nun erfüllt. Einen gewöhnlichen Instrumentenpark sollte man bei der Gruppe allerdings nicht erwarten. Die Floraphoniker bauen ihre Instrumente selbst – und zwar aus Gartengeräten. Was normalerweise beim Pflanzen, Graben oder sonstigen Werkeln zwischen Beeten zum Einsatz kommt, erhält hier eine musikalische Aufgabe. Über die Jahre scheinen die Konstruktionen zudem ordentlich gereift zu sein. Nach Angaben der Floraphoniker klingen die selbst gebastelten Gartengeräte inzwischen schon fast wie „echte“ Instrumente. Das „fast“ gehört ausdrücklich dazu und passt ziemlich gut zu einer Band, die offenbar wenig Interesse daran hat, ihre ungewöhnliche Arbeitsweise unnötig ernst zu verkaufen.

Beim Thema ihrer ersten Single bleiben die Floraphoniker konsequent im Grünen. „Roude Ruam“ handelt von der Vielfalt im Garten des Bassisten. Dort wächst offenbar genügend Material für einen kompletten Song. Rote Rüben gehören ebenso dazu wie schwarzer Rettich. Statt über weit entfernte Fantasiewelten zu schreiben, genügt also ein Blick ins eigene Beet. Der Garten wird dadurch nicht nur zum langjährigen Schauplatz der Floraphoniker-Auftritte, sondern gleich zum Inhalt ihrer ersten Veröffentlichung. Das passt auffällig gut zusammen: Gartengeräte dienen als Instrumente, gespielt wird seit Jahren in Gärten, und nun handelt auch noch der Song vom Gemüseanbau des Bassisten. Viel konsequenter lässt sich ein Konzept kaum durchziehen, ohne selbst Wurzeln zu schlagen. Welche weiteren Pflanzen neben roten Rüben und schwarzem Rettich in der Geschichte vorkommen, ist nicht angegeben. Auch Details zu Aufnahme, Arrangement oder Studio liegen nicht vor. Sicher ist dagegen, dass hinter „Roude Ruam“ keine kurzfristig zusammengestellte Idee steckt. Die Floraphoniker können auf zwanzig Jahre Bühnenerfahrung zurückblicken. Ihre ungewöhnlichen Instrumente wurden über diesen langen Zeitraum bei Live-Auftritten eingesetzt und sind damit keine Requisiten, die lediglich für die erste Single zusammengeschraubt wurden. Sie gehören seit Jahren zum musikalischen Konzept der Gruppe.

„Roude Ruam“ markiert deshalb einen ziemlich speziellen Schritt in der Geschichte der Floraphoniker: Nach zwanzig Jahren vor Publikum gibt es erstmals eine Single für den Musikmarkt. Der Ausgangspunkt dafür kam auch aus den Reihen ihrer Fans, die sich eine solche Veröffentlichung wiederholt gewünscht hatten. Statt für diesen Anlass das bewährte Konzept gegen konventionelle Instrumente auszutauschen, bleiben die selbst gebauten Gartengeräte Teil der Sache. Gleichzeitig führt der Song direkt dorthin, wo sich die Floraphoniker thematisch ohnehin bestens auskennen. In den Garten. Genauer gesagt in den Garten des Bassisten, dessen pflanzliche Vielfalt den Stoff für das Lied bildet. Rote Rüben und schwarzer Rettich schaffen es damit aus dem Beet bis in einen Songtitel beziehungsweise dessen Geschichte – eine Karriere, die vermutlich nicht jedes Gemüse vorweisen kann. Nach zahlreichen Live-Performances in europäischen Gärten ist „Roude Ruam“ nun die erste Gelegenheit, die Floraphoniker als Single-Act kennenzulernen. Ihre Vorgeschichte macht die Veröffentlichung dabei wesentlich ungewöhnlicher als einen klassischen Debütversuch: Die Musiker beginnen nicht erst, sondern dokumentieren nach zwei Jahrzehnten Live-Praxis erstmals ihr Konzept in Form einer Single. Selbst gebaute Instrumente aus Gartengeräten, ein Bassist mit offenbar abwechslungsreich bepflanztem Garten und ein lang gehegter Wunsch des Publikums bilden die wenigen, dafür ziemlich konkreten Zutaten. Bei den Floraphonikern wäre „Zutaten“ ausnahmsweise sogar wörtlich zu verstehen.

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