Cover: Flotsam and Jetsam - Rats in the Temple
7/8
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„Rats In The Temple“: Flotsam And Jetsam legen nach

Vier Jahrzehnte Bandgeschichte können ordentlich Gewicht auf die Schultern packen. Flotsam And Jetsam scheinen daran allerdings nicht sonderlich interessiert zu sein. Auf „Rats In The Temple“, ihrem ersten Album für Napalm Records, konzentrieren sich die Thrash-Metal-Veteranen aus Arizona auf 13 neue Tracks und jene musikalischen Zutaten, die ihre Arbeit seit Langem prägen: hohes Tempo, ausgearbeitete Gitarrenharmonien, Double-Bass-Attacken, deutlich groovende Basslinien und Eric A.K. Knutsons markanten Gesang. Dass die Amerikaner dabei nicht einfach ihre eigene Vergangenheit nachbauen wollen, deutete sich bereits auf den jüngeren Alben „The End of Chaos“ und „I Am the Weapon“ an. Beide Veröffentlichungen rückten eine Band ins Bild, die nach mehreren Jahrzehnten weiterhin nah an den Qualitäten ihrer frühen Phase arbeitet. Und an der kommt man bei Flotsam And Jetsam nun einmal schwer vorbei. „Doomsday for the Deceiver“ und „No Place for Disgrace“ gehören zu den zentralen Werken ihrer Diskografie; ersteres Album wurde unter anderem von Kerrang! als Klassiker gewürdigt. „Rats In The Temple“ muss sich damit zwangsläufig an einer ziemlich langen Geschichte messen lassen. Die Band beantwortet diese Ausgangslage nicht mit Nostalgie, sondern mit Bewegung. 13 Stücke bilden den neuen Abschnitt – und der beginnt nicht gerade im Schritttempo.

Die musikalische Konstruktion von „Rats In The Temple“ ist ziemlich konkret beschrieben. Gitarrenharmonien treffen auf hämmernde Double-Bass-Kicks, während der Bass nicht lediglich im Maschinenraum Dienst schiebt, sondern mit groovenden Linien einen eigenen Akzent bekommt. Darüber liegt Knutsons Stimme, die seit Jahrzehnten zu den klaren Erkennungsmerkmalen der Band zählt. Viel wichtiger als reine Geschwindigkeit ist dabei das Zusammenspiel dieser Elemente. Flotsam And Jetsam haben ihren Thrash Metal nie ausschließlich über das Gaspedal definiert, und auch die 13 neuen Tracks arbeiten mit Harmonien und Groove neben den rasenden Passagen. Inhaltlich wird es noch ungemütlicher. Der Albumtitel „Rats In The Temple“ dient als Bild für einen von Ratten befallenen Tempel, dessen Wände mit Geschichten über Tod, Missbrauch, Verrat und Krieg gefüllt werden. Gemütliche Abendunterhaltung sieht anders aus. Die dargestellte Welt soll allerdings nicht als weit entfernte Horror-Fantasie funktionieren. Vielmehr liegt ihre Beklemmung gerade darin, dass sie der Realität erschreckend nahekommt. Damit bekommt der Titel eine zusätzliche Ebene: Der Tempel ist kein sicherer Ort mehr, die Bedrohung sitzt längst innerhalb seiner Mauern. Welche einzelnen Geschichten die Songs erzählen und wie sie miteinander verbunden sind, geht aus den vorliegenden Informationen nicht näher hervor. Klar ist jedoch, dass Flotsam And Jetsam gesellschaftlich und menschlich düstere Themen nicht bloß als Kulisse für schnelle Riffs benutzen.

„Rats In The Temple“ markiert außerdem einen geschäftlichen Einschnitt in der langen Laufbahn der Band. Es ist das Napalm-Records-Debüt von Flotsam And Jetsam und folgt auf „I Am the Weapon“. Von einer Neuerfindung kann dabei keine Rede sein – dafür gibt es in den bekannten Details auch keinen Anlass. Stattdessen bleibt die Gruppe bei einem Thrash-Metal-Fundament, das sich über Jahrzehnte entwickelt hat und zuletzt wieder verstärkt mit ihrer frühen Phase in Verbindung gebracht wurde. Die Referenzpunkte „Doomsday for the Deceiver“ und „No Place for Disgrace“ liegen zwar weit zurück, doch „The End of Chaos“ und „I Am the Weapon“ haben gezeigt, dass die aktuelle Geschichte der Band nicht allein vom Ruhm dieser frühen Platten lebt. Auf dem neuen Album treffen nun 13 Tracks auf eine thematische Szenerie, in der Tod, Missbrauch, Verrat und Krieg den Ton angeben. Musikalisch stehen schnelle Passagen, Gitarrenharmonien, Double Bass und Bass-Grooves dagegen – oder besser gesagt: mittendrin. Eric A.K. Knutson hält mit seinem charakteristischen Gesang die Verbindung zur Identität der Band. So startet das Kapitel bei Napalm Records ohne unnötige Umbauarbeiten am eigenen Fundament. Flotsam And Jetsam wissen nach vier Jahrzehnten ziemlich genau, wo ihre Stärken liegen. Auf „Rats In The Temple“ nutzen sie diese für einen Tempel, dessen Schädlingsproblem offensichtlich nicht mehr mit ein paar Fallen im Keller zu lösen ist.
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Tracklist

01 Harvesting the Hate
02 Damnation
03 Absolution
04 Blame the Knife
05 Rats in the Temple
06 The Ghost behind my Door
07 First on the Spike
08 The Edge of Nowhere
09 Last Rites
10 A Taste for War
11 Her Blood your Pain
12 Anthem for the Broken
13 Not Going down that Way

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