Mit „Your Favorite Toy“ legen die Foo Fighters ihr zwölftes Studioalbum vor – und das fühlt sich weniger nach Routine, mehr nach bewusstem Neuanfang an. Nach einer Phase intensiver Experimente mit Sounds und Dynamiken hat sich die Band hörbar für einen kantigeren, düsteren Vibe entschieden. Statt Stadion-Pathos gibt es Spannung, statt Hochglanz-Rock eher schimmernde Risse im Lack. Schon der Titeltrack deutet an, wohin die Reise geht: Verlust, Trotz, unterschwellige Wut – verpackt in Melodien, die sich sofort festsetzen. Das Album wirkt wie ein Blick hinter die Fassade einer Band, die längst alles erreicht hat und trotzdem noch nach neuen Reibungsflächen sucht.
Klanglich ziehen sich zerklüftete Gitarren und druckvolle Drums wie ein roter Faden durch die Platte. Dazu kommen immer wieder düstere Keyboard-Flächen, die für eine fast schon beklemmende Atmosphäre sorgen. Frontmann Dave Grohl setzt stärker denn je auf Nuancen in der Stimme: mal sarkastisch, mal fast schon verletzlich, dann wieder mit dieser rauen Energie, die man sofort erkennt. Die Songs spielen mit Dynamik, bauen Spannung auf und lassen sie im nächsten Moment kontrolliert eskalieren. Inhaltlich dreht sich vieles um das Gefühl, dass Vertrautes plötzlich zerbricht – Beziehungen, Gewissheiten, vielleicht auch das eigene Selbstbild. Dabei klingt das Album nie wehleidig, sondern eher wie eine selbstbewusste Auseinandersetzung mit Kontrollverlust. Es ist Rock, aber mit mehr Schatten als Licht.
Als Gesamtwerk funktioniert „Your Favorite Toy“ erstaunlich geschlossen. Die Platte hat einen klaren Sound und eine erkennbare emotionale Linie, ohne monoton zu wirken. Jeder Track trägt zur Grundstimmung bei, während einzelne Refrains das Potenzial haben, live für Gänsehaut-Momente zu sorgen. Man hört, dass hier nicht einfach Songs gesammelt wurden, sondern dass eine Vision dahintersteht. Laut Grohl war der Titeltrack die Zündschnur für das gesamte Projekt – und genau so fühlt sich das Album an: wie ein Pulverfass, das kontrolliert brennt. Für eine Band im zwölften Album ist das keine Selbstverständlichkeit. „Your Favorite Toy“ zeigt, dass Weiterentwicklung auch nach Jahrzehnten noch möglich ist – wenn man bereit ist, am eigenen Sound zu rütteln.