Freya Ridings macht auf »Mother of Pearl« genau das, was sie am besten kann: große Gefühle in Songs packen, die direkt unter die Haut gehen. Das dritte Album der britischen Sängerin klingt gleichzeitig verletzlich und kraftvoll, fast so, als würde man mitten in einem nächtlichen Gespräch landen, bei dem plötzlich alles ehrlich wird. Die elf Tracks bewegen sich zwischen sanften Klaviermomenten, dramatischen Refrains und dieser besonderen Stimme, die selbst ruhige Zeilen nach Kino wirken lässt. Dabei geht es um Verlust, innere Kämpfe und den Versuch, nach schweren Zeiten wieder festen Boden unter den Füßen zu finden.
Musikalisch bleibt Freya Ridings ihrem emotionalen Stil treu, wirkt diesmal aber deutlich mutiger. Viele Songs bauen sich langsam auf, bevor sie in große Hymnen kippen, die man problemlos nachts aus dem Autofenster mitsingen könnte. Gleichzeitig wirkt nichts überladen oder künstlich dramatisch. Gerade diese Mischung aus Zerbrechlichkeit und Entschlossenheit macht »Mother of Pearl« spannend. Man hört heraus, dass hier Erfahrungen verarbeitet wurden, die nicht einfach nur hübsch verpackt werden sollten. Statt klassischer Herzschmerz-Popnummern entstehen Tracks, die eher wie kleine Befreiungsschläge wirken. Besonders stark ist dabei, wie offen Freya Ridings ihre weibliche Stärke thematisiert, ohne daraus eine platte Empowerment-Playlist zu machen.