Fruchtiger Beigeschmack: Indie Jazz aus München
Drei Köpfe, ein klarer Sound – und eine Frontfrau, die den Ton angibt. Das Münchner Trio Fruchtiger Beigeschmack bewegt sich irgendwo zwischen Indie und Jazz, ohne sich wirklich in eine Schublade stecken zu lassen. Milena, Levi und Felix verbinden klassisches Indie-Songwriting mit der Offenheit des Jazz. Heraus kommt ein Stil, der eingängig wirkt, gleichzeitig aber musikalisch mehr Ecken und Kanten hat als gewöhnlicher Indie Pop. Gerade diese Mischung sorgt dafür, dass die Songs Raum bekommen – für Atmosphäre, für Dynamik und für spontane musikalische Ideen.
Im Mittelpunkt steht Sängerin Milena, die dem Trio nicht nur eine klare Stimme, sondern auch eine starke Perspektive gibt. Ihre Texte bewegen sich zwischen persönlicher Beobachtung und gesellschaftlichem Blick. Themen wie Großstadtleben, Selbstzweifel oder zwischenmenschliche Spannungen tauchen immer wieder auf – nahbar erzählt, ohne große Pose. Gleichzeitig setzt die Band damit auch ein kleines Statement: In einer Szene, in der weibliche Stimmen oft noch zu selten im Mittelpunkt stehen, übernimmt hier bewusst eine Frontfrau die Rolle der Erzählerin. Musikalisch bleibt das Trio dabei flexibel. Indie-Melodien treffen auf jazzige Harmonien, während Instrumente immer wieder Raum für Improvisation bekommen.
Die aktuelle Single „Ich hör' mich nicht“ bringt diese Mischung besonders gut auf den Punkt. Der Song beschreibt das Gefühl, sich selbst im ständigen Lärm der Stadt zu verlieren. Zwischen Reizüberflutung, Entfremdung und innerer Leere entsteht ein Sound, der gleichzeitig ruhig und intensiv wirkt. Live wächst das Trio sogar noch weiter: Dann wird aus Fruchtiger Beigeschmack eine offene Formation mit zusätzlichen Musikerinnen und Musikern. Improvisation spielt dabei eine zentrale Rolle – jeder Auftritt entwickelt sich ein bisschen anders. Genau das passt zum Ansatz der Band: Musik als Moment, nicht als starre Vorlage.
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