Mit „Mit der Flut“ liefert Gerrit Hoss ein Album, das sich ziemlich entspannt zwischen Tradition und Moderne bewegt – und genau daraus seinen eigenen Vibe zieht. Als Stimme von Godewind kennt man ihn schon lange, aber auch solo zeigt er, dass norddeutsche Musik nicht zwangsläufig nach Küstenklischee klingen muss. Stattdessen gibt’s hier einen frischen Mix aus hochdeutschen und plattdeutschen Songs, der erstaunlich locker wirkt. Und genau diese Mischung macht das Album spannend, ohne sich künstlich besonders machen zu wollen.
Die erste Single „Wiet wech“ bringt direkt eine unerwartete Richtung rein: Reggae-Feeling trifft auf norddeutsche Gelassenheit. Klingt erstmal ungewöhnlich, funktioniert aber ziemlich gut, weil der Song nicht versucht, irgendwas zu kopieren, sondern seinen eigenen Stil durchzieht. Auch Tracks wie „Juli“ gehen eher in Richtung Sommer, Straße runter, Fenster auf – dieser klassische Roadtrip-Vibe. Gleichzeitig gibt’s mit „In Hamburg verliebt“ einen bekannten Song in neuem Gewand, während plattdeutsche Titel wie „Mit de Floot mutt ik gahn“ die Wurzeln klar drinlassen. Das Ganze wirkt nicht wie ein Spagat, sondern eher wie ein natürlicher Flow zwischen zwei Sprachwelten.
Emotional wird’s dann bei Songs wie „Anna“ oder „Ein letztes Mal am Meer“, wo Hoss zeigt, dass er nicht nur entspannte Küsten-Vibes kann, sondern auch ruhigere, tiefere Momente. Gerade diese Mischung aus Leichtigkeit und Gefühl macht „Mit der Flut“ zu einem Album, das sich nicht auf einen Mood festnageln lässt. Und genau das passt auch zu seiner Aussage, dass der Sprachwechsel für ihn Alltag ist – es wirkt nie aufgesetzt, sondern einfach echt. Mit Blick auf die kommende Tour dürfte das Ganze live nochmal eine andere Dynamik bekommen. Mal laut, mal leise, mal platt, mal hochdeutsch – aber immer ziemlich nah dran.