Mit seinem achten Studioalbum „Séance“ beschäftigt sich Konstantin Gropper alias Get Well Soon mit einem Thema, das längst weit über die Technikwelt hinausreicht: künstliche Intelligenz. Ausgangspunkt war der Versuch, eine KI als kreativen Gesprächs- und Arbeitspartner in den Entstehungsprozess einzubeziehen. Doch gerade die Momente, in denen die Technologie an ihre Grenzen stieß, erwiesen sich für Gropper als besonders aufschlussreich. Aus dem Experiment entwickelte sich ein Album, das weniger von den Möglichkeiten automatisierter Kreativität erzählt als von den Fragen, die sie aufwirft. Dabei greift Get Well Soon auf Bilder aus dem Spiritismus zurück. Der Titel „Séance“ verweist auf den Versuch, mit etwas Unsichtbarem in Kontakt zu treten – eine ungewöhnliche, aber passende Metapher für den Umgang mit künstlicher Intelligenz.
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Musikalisch bewegt sich „Séance“ zwischen Gothic, Dark Wave und orchestralen Arrangements. Im Vergleich zu früheren Arbeiten erscheint die Klanggestaltung stellenweise reduzierter, ohne auf die für Get Well Soon charakteristische Dramatik zu verzichten. Eine wichtige Rolle spielen Found-Footage-Samples, also bereits vorhandene Tonaufnahmen, die in einen neuen musikalischen Zusammenhang gebracht werden. Nostalgische Klangzitate treffen auf düstere elektronische Elemente und groß angelegte Instrumentalpassagen. Diese Gegensätze prägen den Charakter des Albums und schaffen einen Rahmen für die philosophischen Überlegungen, die Gropper in seinen neuen Kompositionen verarbeitet.
„Séance“ erscheint im Jubiläumsjahr von Get Well Soon und erweitert die Diskografie um ein Werk, das sich ausdrücklich mit den gesellschaftlichen und persönlichen Folgen technologischer Entwicklungen beschäftigt. Gropper nutzt die Auseinandersetzung mit KI, um grundsätzliche Fragen nach Kreativität, menschlicher Identität und dem Verhältnis zwischen Mensch und Maschine zu stellen. Bemerkenswert ist dabei, dass die ursprüngliche Zusammenarbeit mit einer künstlichen Intelligenz letztlich zu einer stärkeren Beschäftigung mit menschlichen Ausdrucksmöglichkeiten führte. Die technischen Unzulänglichkeiten wurden zum Ausgangspunkt eigener Ideen. So entstand ein Album, das seine Inspiration aus einem hochaktuellen Thema bezieht, musikalisch jedoch tief in der düsteren, detailreichen Klangwelt von Get Well Soon verwurzelt bleibt.