Cover: Gordy - Es ist Liebe
7/8
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„Es ist Liebe“: Gordys Musik lebt digital weiter

Reiner Kohler hat als Gordy und als Teil des Duos Mary & Gordy deutsche Unterhaltungsgeschichte mitgeschrieben. Nun kümmert sich das Label WESPO (LC 07320) um Aufnahmen aus seinem musikalischen Nachlass und bringt ausgewählte Stücke neu gemastert in die digitalen Shops. Nach drei bereits veröffentlichten Klassikern folgt die EP „Es ist Liebe“. Damit wächst der digital verfügbare Katalog eines Künstlers weiter, dessen Name eng mit einer sehr eigenen Mischung aus Chanson, Unterhaltung und Bühnenkunst verbunden ist. Den Anfang der aktuellen Veröffentlichungsreihe machten „Walzertanzen bei Nacht“, „Hoppla, ja ich lebe noch“ und „So leb dein Leben“. Die Aufnahmen stammen aus dem Umfeld des ursprünglich 1990 veröffentlichten Albums „Ein neues Leben“. Für die Musik zeichnete Rolf Wetzel verantwortlich, die Texte schrieb Reiner Kohler selbst. WESPO hat die Titel remastern lassen und damit für die heutige digitale Veröffentlichung technisch neu aufbereitet. Gerade bei Archivmaterial ist dieser Schritt mehr als Kosmetik: Die ursprünglichen Interpretationen bleiben erhalten, während das vorhandene Ausgangsmaterial für aktuelle Wiedergabewege angepasst wird. Neue Versionen oder nachträglich umgebaute Arrangements sind laut den vorliegenden Informationen nicht das Thema. Im Fokus steht das vorhandene musikalische Erbe von Gordy – nur eben nicht mehr ausschließlich dort, wo alte Platten und Sammlerstücke wohnen.

Gordys Geschichte lässt sich ohnehin kaum auf einzelne Songs reduzieren. Reiner Kohler wurde einem breiten Publikum vor allem durch Mary & Gordy bekannt. Gleichzeitig existierte ein eigenes Repertoire, in dem Lebensfreude, Menschlichkeit, Selbstbestimmung und Toleranz wiederkehrende Themen waren. Das gehört zum Kontext der aktuellen Wiederveröffentlichungen, denn Stücke wie „So leb dein Leben“ tragen diesen Blick auf persönliche Freiheit bereits im Titel. Auch gesellschaftliche Grenzen spielten in Kohlers Arbeit und öffentlicher Bühnenfigur eine Rolle. Die Neuauflage des Materials ist deshalb vor allem Archivarbeit mit digitalem Anschluss: Aufnahmen, die ursprünglich in einer völlig anderen Musiklandschaft erschienen, sind wieder regulär verfügbar. Die EP „Es ist Liebe“ führt diese Arbeit weiter und bündelt den nächsten Teil des Gordy-Katalogs für die Shops. WESPO behandelt das Material damit nicht als abgeschlossene Fußnote der Unterhaltungsmusik, sondern macht konkrete Aufnahmen erneut zugänglich. Für frühere Fans ist das eine Gelegenheit, bekannte Musik außerhalb alter Tonträger wiederzufinden. Wer Mary & Gordy hauptsächlich aus Fernsehauftritten oder Erzählungen kennt, bekommt wiederum einen direkten Zugang zu Reiner Kohlers eigenem musikalischen Schaffen. Das ist ein interessanter Nebeneffekt der Digitalisierung: Musikgeschichte muss nicht erst auf dem Dachboden gesucht werden. Manchmal reicht inzwischen die Suchleiste beim Streamingdienst – deutlich staubärmer und meistens ohne die überraschende Begegnung mit einer Kiste alter Kabel.

Parallel zur Veröffentlichung der Musik wird in Tuttlingen auch ganz analog an Reiner Kohler erinnert. Im Donaupark seiner Heimatstadt entsteht „GORDYS GARTEN“, ein dauerhafter Gedenkort für den Entertainer. Damit laufen zwei Formen der Erinnerung nebeneinander: Auf der einen Seite werden seine Aufnahmen technisch überarbeitet und digital verfügbar gemacht, auf der anderen bekommt sein Leben und Wirken einen festen Ort in der Stadt. Für die Einordnung der EP „Es ist Liebe“ ist dieser Zusammenhang durchaus relevant. WESPO veröffentlicht nicht einfach irgendeinen älteren Katalog neu, sondern arbeitet mit dem musikalischen Vermächtnis eines Künstlers, dessen Karriere sowohl mit Mary & Gordy als auch mit eigenen Liedern verbunden war. Die bereits neu gemasterten Stücke geben dafür einen ersten Überblick. „Walzertanzen bei Nacht“, „Hoppla, ja ich lebe noch“ und „So leb dein Leben“ führen zurück in das Umfeld von „Ein neues Leben“, während die EP nun den nächsten Baustein der Veröffentlichungsreihe bildet. Dass die Texte von Reiner Kohler selbst stammen und Rolf Wetzel die Musik schrieb, gehört dabei zu den wichtigen Details hinter den Aufnahmen. So entsteht nach und nach ein digital erreichbares Bild von Gordys Arbeit jenseits der bekannten Bühnenauftritte. Für Hörerinnen und Hörer, die diesen Teil seines Schaffens bislang nicht kannten, ist das vermutlich der spannendste Punkt der Neuauflagen: Sie müssen Gordy nicht allein über seinen Status in der deutschen Unterhaltungsgeschichte kennenlernen, sondern können schlicht die Songs hören. Genau dort gehört Musik schließlich hin.
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