Hämatom und Troglauer feiern das Dorfgefühl
Die Kombination wirkt erstmal wie ein typischer „Wie bitte?!“-Moment: Auf der einen Seite die Troglauer mit ihrer Heavy Volxmusic zwischen Bierzelt, Brass-Power und Festivalstimmung, auf der anderen Seite Hämatom, die seit Jahren die großen Metalbühnen zerlegen. Genau diese Mischung macht „Wir haben Dorf“ aber spannend. Statt auf billige Gags oder Klischees zu setzen, liefern die beiden Bands einen Song, der erstaunlich ehrlich wirkt. Zwischen harten Gitarren, treibenden Bläsern und ordentlich Druck geht es hier nicht einfach nur ums Dorfleben, sondern um Herkunft, Zusammenhalt und dieses Gefühl, irgendwo wirklich daheim zu sein.
Besonders interessant wird die Geschichte hinter dem Track. Die Verbindung zwischen Troglauer und Hämatom ist nämlich keine spontane Studio-Idee, sondern reicht bis in die Jugend zurück. Beide Bands stammen aus derselben Region, kennen sich seit Teenagerzeiten und standen schon gemeinsam auf kleinen Bühnen, lange bevor ihre musikalischen Wege komplett auseinanderliefen. Während die einen später große Volksfeste, das Woodstock der Blasmusik oder sogar das Oktoberfest Blumenau in Brasilien spielten und vielen auch durch „Bauer sucht Frau“ bekannt wurden, entwickelten sich Hämatom zu einer festen Größe der deutschsprachigen Metalszene mit Auftritten bei Wacken Open Air, Nova Rock oder Summer Breeze. Dass diese Welten jetzt wieder zusammenfinden, wirkt deshalb eher wie ein spätes Wiedersehen alter Freunde als ein kalkulierter Crossover-Move.
„Wir haben Dorf“ funktioniert genau deshalb so gut, weil der Song kein ironischer Partytrack sein will. Klar, Bierbank trifft Moshpit und Dorfplatz trifft Festivalbühne — die Bilder liegen auf der Hand. Trotzdem steckt hinter der Nummer deutlich mehr als nur ein lustiger Genremix. Der Track feiert Menschen, die ihre Wurzeln nicht vergessen haben, egal ob sie inzwischen vor Tausenden Festivalfans oder im Festzelt spielen. Musikalisch kracht das ordentlich, gleichzeitig bleibt genug Herz drin, damit die Botschaft nicht untergeht. Gerade diese Mischung aus Metal-Energie, Blasmusik-Vibes und echter Freundschaft macht die Zusammenarbeit überraschend rund.
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