Als Ronnie James Dio sich noch einmal mit den alten Black-Sabbath-Mitstreitern Tony Iommi, Geezer Butler und Vinny Appice zusammentat, fühlte sich das für viele Metal-Fans ein bisschen wie ein unerwartetes Klassentreffen an. Nur dass hier keine alten Fotos herumgereicht wurden, sondern donnernde Riffs und eine Stimme, die selbst nach Jahrzehnten noch locker über jede Gitarrenwand kletterte. Unter dem Namen Heaven & Hell startete die Truppe eine zweite Phase, mit der kaum jemand gerechnet hatte – und die sich schnell als ziemlich starke Idee entpuppte. Genau diese Zeit rückt jetzt eine neue Retrospektive ins Rampenlicht. „Breaking Out Of Heaven 2007–2009“ sammelt das Material aus dieser späten, aber intensiven Phase der Band und packt es in eine große Box, die sich klar an Fans richtet, die auf schwere Gitarren, epische Songs und nostalgische Momente stehen.
Der Inhalt liest sich wie ein kleiner Rundgang durch dieses späte Kapitel. Den Auftakt macht der legendäre Konzertmitschnitt „Live From Radio City Music Hall“, aufgenommen bei einem Auftritt in New York, bei dem die Band zeigte, dass die Chemie zwischen den Musikern immer noch funktioniert. Danach folgt das Studioalbum „The Devil You Know“, das damals überraschend weit oben in den Charts landete und klarmachte, dass hier nicht nur Nostalgie bedient wurde. Die Songs klingen düster, wuchtig und erstaunlich frisch – als hätten die vier Musiker einfach beschlossen, den klassischen Heavy-Metal-Sound noch einmal neu aufzudrehen. Abgerundet wird das Ganze durch „Neon Nights: 30 Years Of Heaven & Hell – Live at Wacken“, aufgenommen auf einem der größten Metal-Festivals der Welt. Tausende Fans, eine Bühne voller Rauch und eine Band, die hörbar Spaß daran hat, diese Songs noch einmal mit voller Lautstärke rauszuhauen.
Auch beim Drumherum hat man sich Mühe gegeben. Die Sammlung erscheint als große 7LP-Box sowie als 4CD/Blu-ray-Edition und kommt mit einer ordentlichen Portion Fan-Service. Ein dickes, illustriertes Buch mit neuen Liner Notes von Hugh Gilmour blickt hinter die Kulissen dieser späten Bandphase. Dazu gibt es eine Nachbildung eines Tourbooks sowie Poster, die den Look der damaligen Shows wieder aufleben lassen. Für Sammler fühlt sich das Ganze ein bisschen wie eine Zeitkapsel an: Man blättert durch die Seiten, legt die Platte auf und ist gedanklich sofort wieder mitten in einer Phase, in der vier Metal-Veteranen noch einmal gezeigt haben, wie kraftvoll klassischer Heavy Metal klingen kann. „Breaking Out Of Heaven“ ist damit weniger eine einfache Compilation als vielmehr ein liebevoll zusammengestellter Rückblick auf den letzten gemeinsamen Lauf einer Band, deren Einfluss bis heute in unzähligen Gitarrenriffs nachhallt.