Helmut veröffentlicht Album „Content Creatures“
Mit „Content Creatures“ legt Helmut sein viertes Album vor – eine Indie-Pop-Platte, die sich auf charmante Weise mit dem Gefühl beschäftigt, im modernen Leben manchmal einfach nicht mitzuhalten. Während in einer Welt voller Selbstoptimierung und Dauer-Performance selbst das Scheitern oft perfekt inszeniert wirkt, setzt Helmut einen Gegenpol. Seine Songs feiern den „beautiful loser“, den bezaubernden Verlierer, der nicht ständig gewinnen muss, um glücklich zu sein. Wie tanzen solche Figuren? Vielleicht ein bisschen schwebend, leicht unsicher, aber mit warmen Gesten und offenen Armen. Genau so klingt auch dieses Album: tröstend, nachdenklich und gleichzeitig erstaunlich leicht. Warme Grooves, luftige Synths und feine Gitarrenlinien prägen den Sound, der erstmals komplett in Helmuts Neuköllner Homestudio entstanden ist. Das Ergebnis wirkt bedacht, aber nie schwer – eher wie ein musikalischer Raum, in dem man kurz durchatmen darf.
Auch thematisch bewegt sich „Content Creatures“ zwischen Melancholie, Humor und kleinen Alltagsbeobachtungen. In „I Got Me A Microwave“ verwandelt Helmut eine scheinbar banale Anschaffung in eine Geschichte über Trennung, Trotz und Einsamkeit. Das emotionale Ich des Songs tut bewusst Dinge, die die Ex nie mochte – eine Mikrowelle kaufen oder Touristen auf einem Boot zuwinken. In „Unordinary“ geht es dagegen um die Frage, wie sich Musikerinnen und Musiker heute zwischen Kunst und Content bewegen, während sie im Hamsterrad der Verwertungslogik ständig neues Material liefern müssen. Der Song endet nicht mit Pathos, sondern mit einer ernüchternden Erkenntnis: Vielleicht sind wir am Ende doch alle gewöhnlicher, als wir denken. Gleichzeitig gibt es auch Momente der stillen Selbstfindung. „Je t’adore l’ennui“ etwa ist eine überraschend eingängige Ode an die Langeweile – an jene Pausen, in denen Kreativität überhaupt erst entstehen kann.
Das Album erzählt viele kleine Geschichten über Sehnsucht, Liebe und die Suche nach Zugehörigkeit. „They Never Told Anyone“ fragt leise, wo eigentlich all die Liebenden geblieben sind, die man einmal kannte. Trotz melancholischer Gedanken bleibt der Song leichtfüßig, fast humorvoll, unterstützt von einem Chor, der immer wieder den Titel wiederholt. Besonders intim wird es in „Vallabye“, einem Duett mit der moldawischen Indie-Künstlerin Valeria Stoica. Der Song begleitet jemanden, der nach langer Abwesenheit in seine Stadt zurückkehrt und Trost in alten Bars findet – ein Stück für alle, die nachts noch in Kneipen sitzen, weil der Heimweg sich zu früh anfühlt. Komplettiert wird das Album unter anderem durch „God in the Middle“, einen Song mit sanften Synths und warmem Bass, der trotz Melancholie ein Gefühl von Gemeinschaft vermittelt. „Content Creatures“ erscheint digital und auf Vinyl beim Berliner Label St. Vladimir – mit einem ungewöhnlichen Cover: Ein Meerschweinchen wird hier zum stillen Star. Auch das passt zu Helmuts Ansatz, das Besondere im scheinbar Gewöhnlichen zu finden.
Tracklist
1 The Inside of Our Mind
03:18
2 I Got Me a Microwave
03:53
3 Unordinary
04:07
4 Je t'adore l'ennui
03:28
5 Done with the Lies
03:55
6 They Never Told Anyone
03:15
7 Vallabye
03:58
8 God in the Middle
03:53