Man merkt ziemlich schnell: Herman & Anita haben keine Lust auf Stillstand. Kaum ist ihre letzte Single „Unbeschreiblich, Unentbehrlich“ draußen, schieben sie direkt mit einer Cover-Version von Warum hast du nicht nein gesagt nach – und jetzt kommt schon der nächste Track um die Ecke. „All das was ein Mann hat, hat auch eine Frau“ klingt erstmal nach klassischem Schlager-Titel, bringt aber mehr Message mit, als man auf den ersten Blick erwartet. Statt Herzschmerz oder Drama geht’s hier um Gleichberechtigung – und das verpackt in einem Sound, der easy ins Ohr geht.
All das was ein Mann hat, hat auch eine Frau wurde – wie schon die vorherigen Songs – im Studio von Lei de Bruijn bei Royal Music Productions in Kerkrade produziert. Man hört dem Track an, dass hier ein eingespieltes Team am Werk ist: sauber produziert, klarer Schlager-Vibe, aber nicht angestaubt. Herman & Anita bleiben ihrem Stil treu, wirken dabei aber nicht wie ein Retro-Act, sondern eher wie ein Duo, das genau weiß, wie man klassischen Sound mit einer modernen Aussage verbindet. Geschrieben wurde der Song übrigens von Leon de Bruijn und Guido Morsblech – also ebenfalls keine Unbekannten im Background.
Was den Song interessant macht, ist weniger der Beat als die Haltung dahinter. „All das was ein Mann hat, hat auch eine Frau“ räumt ziemlich direkt mit alten Klischees auf – ohne dabei belehrend zu wirken. Stattdessen kommt die Botschaft locker rüber, fast schon nebenbei. Genau das passt zu Herman & Anita: sympathisch, zugänglich und immer mit einem kleinen Augenzwinkern. Der Track ist kein politisches Statement im klassischen Sinne, sondern eher ein musikalischer Reminder, dass Gleichberechtigung längst kein kompliziertes Thema mehr sein sollte. Und genau deshalb funktioniert das Ganze – weil es sich nicht wie ein erhobener Zeigefinger anfühlt, sondern wie ein Song, den man einfach gern hört.