Cover: Hi Mum - Joybite
6/8
Eigene Redaktionseinschätzung

HI MUM veröffentlichen neuen Song „JOYBITE“

Zwischen flirrenden Gitarren und einer leicht melancholischen Pop-Note schicken HI MUM mit „JOYBITE“ ihren dritten und letzten Vorboten aus dem kommenden Album „GHOSTWOOD“ ins Rennen. Der Track fühlt sich an wie ein Spaziergang durch eine Nacht, in der die Zeit ein bisschen schief läuft. Alles wirkt leicht verschoben: Gedanken hängen noch im Gestern, während der Morgen schon vorsichtig anklopft. Genau in diesem Zwischenraum bewegt sich der Song. Dissonante Gitarrenlinien ziehen sich durch die Nummer, während der Gesang eine gewisse Müdigkeit mit sich trägt – nicht erschöpft, sondern eher dieses wache Gefühl, das man nur kennt, wenn man viel zu lange wach geblieben ist. „JOYBITE“ ist damit kein klassischer Indie-Pop-Song, sondern eher ein kleiner Soundtrack für diese Momente, in denen Erinnerungen plötzlich wieder auftauchen, ohne vorher anzuklopfen.

Inhaltlich dreht sich alles um verschwommene Coming-of-Age-Momente, die sich irgendwo zwischen Nostalgie und leichter Orientierungslosigkeit bewegen. Man merkt schnell: Hier geht es nicht um perfekt sortierte Erinnerungen, sondern um Fragmente. Szenen aus Nächten, Gespräche, die halb vergessen sind, und Gefühle, die man erst Jahre später richtig einordnen kann. Die Band spielt bewusst mit dieser Unsicherheit und lässt den Song immer wieder zwischen fragil und leicht bissig kippen. Während einige Passagen fast zerbrechlich wirken, zeigen andere plötzlich Zähne – musikalisch wie emotional. Gerade diese kleinen Spannungswechsel machen „JOYBITE“ so interessant, weil der Track nie komplett vorhersehbar wird. Statt klarer Dramaturgie gibt es eher ein Treibenlassen durch eine Stimmung, die gleichzeitig vertraut und ein bisschen rätselhaft wirkt.

Zum Ende hin öffnet sich der Song noch einmal, ohne eine klare Auflösung zu liefern. Die Zeile „you don’t wanna leave me here“ bleibt einfach im Raum stehen, fast wie ein letzter Gedanke kurz vor Sonnenaufgang. Genau das passt ziemlich gut zur gesamten Atmosphäre des Tracks: „JOYBITE“ ist eine kleine Hommage an bleiche Nachteulen, an Menschen, die mit dem Morgen nie so richtig warm werden. Während andere längst schlafen oder schon wieder aufstehen, hängen sie irgendwo dazwischen – in diesem seltsamen Zeitfenster, in dem Gedanken lauter werden und Erinnerungen plötzlich wieder auftauchen. Mit diesem Song liefern HI MUM einen letzten Vorgeschmack auf „GHOSTWOOD“, der neugierig macht, ohne zu viel zu verraten. Statt großer Gesten gibt es hier eher ein leises Zwinkern aus der Dunkelheit.

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