Während andere nur aufs Land flüchten, wenn sie mal Ruhe brauchen, machen Albert Münzberg und Pablo Himmelspach aus Mecklenburg-Vorpommern seit Jahren klar: Die Provinz ist kein Sehnsuchtsort, sie ist Realität – mit all ihren Brüchen, Konflikten und ganz eigenen Sounds. Als Hinterlandgang schicken sie mit „Vielleicht wird alles gut“ ihr bisher stärkstes Album ins Rennen. Es ist eine Platte, die wehtut, aufrüttelt, aber auch tröstet. Und das mit einem Sound, der zwischen Beton und Blümchentapete pendelt: rough, reflektiert, elektronisch und zutiefst menschlich.
Die Tracks sind vielseitiger geworden: Der Chaos Compressor Club sorgt für Beats, die sowohl in die Beine gehen als auch Gänsehaut verursachen. Club-Vibes treffen hier auf Herzschmerz. Songs wie „Pogo“ oder „Keine Angst“ funktionieren wie Protesthymnen für alle, die sich nach Veränderung sehnen, ohne in Zynismus zu verfallen. „Für alle“ ist eine solidarische Kampfansage in Refrain-Form, während ein Stück wie „Wenn du lachst“ tief ins Persönliche eintaucht – mit Zeilen, die so ehrlich sind, dass man kurz still wird. Krankheit, Verlust, familiäre Schwere – aber eben auch die Kraft, weiterzumachen. Nicht trotz allem, sondern gerade deshalb.
Hinterlandgang sind keine Popstars, sie sind Chronisten eines Landes, das selten auf Magazincovern auftaucht. Und gerade deshalb ist „Vielleicht wird alles gut“ so wichtig: Es gibt den vermeintlich Stillen eine Stimme, verknüpft politische Haltung mit poetischer Klarheit und beweist, dass Hoffnung sich auch aus Melancholie formen lässt. Songs wie „Sport im Osten“ oder „Her mit dem schönen Leben“ sagen nicht: „Alles ist gut.“ Aber sie zeigen, dass es sich lohnt, daran zu glauben, dass es besser werden kann. Vielleicht.