Cover: Ireke - Ayô Dele
6/8
mix1 Bewertung

Afrobeat-Groove: Neues Ireke-Album „Ayô Dele“

Mit „Ayô Dele“ kündigt das Projekt Ireke ein Album an, das schon im Titel eine klare Stimmung vorgibt. Der Ausdruck aus der Yoruba-Sprache lässt sich ungefähr mit „Die Freude kommt zu mir“ übersetzen – und genau dieses Gefühl zieht sich durch die Musik des neuen Longplayers. Hinter dem Projekt stehen die Multi-Instrumentalisten und Beatmaker Julien Gervaix und Damien Tesson. Die beiden verstehen es, Groove nicht einfach nur laufen zu lassen, sondern ihn wie ein lebendiges System zu behandeln. Ihre Tracks wirken gleichzeitig dicht und erstaunlich luftig: Kleine Details tauchen auf, verschwinden wieder und geben dem Song Raum zum Atmen. Das Studio wird dabei fast zum Spielplatz. Afrobeat, Dub, Funk, Soul, Roots-Reggae und elektronische Elemente verschmelzen zu einem Sound, der warm, organisch und körperlich spürbar ist. Runde Basslines rollen durch die Stücke, Bläser wechseln zwischen sanfter Melodie und Funk-Drive, während Gitarren-Arpeggios, Rhodes und Clavinet dem Ganzen diese leicht schimmernde Vintage-Note verleihen.

Mit dem neuen Album öffnet sich für Ireke zugleich ein weiteres Kapitel. Der Groove bleibt zwar die treibende Kraft der Songs, doch diesmal rücken die Stimmen stärker ins Zentrum. Zwei Sängerinnen prägen den Charakter des Albums besonders: Nayel Hóxò und Agnès Hélène. Nayel bringt Einflüsse aus Benin und Nigeria mit und verbindet Gesang und Rap in einer intensiven Mischung. Ihre Texte in Yoruba kreisen um Themen wie Heilung, Widerstand und das Licht, das aus schwierigen Momenten entstehen kann. Agnès Hélène wiederum bewegt sich eher im emotionalen Innenraum. Ihre Perspektive richtet sich auf Beziehungen, flüchtige Begegnungen und jene kleinen Augenblicke, die oft mehr sagen als große Gesten. Beide Stimmen laufen parallel, reagieren aufeinander und kreuzen sich immer wieder – wie zwei Geschichten, die sich kurz berühren und dann weiterziehen. Für einen besonderen Moment stößt außerdem Olivya vom Projekt Dowdelin dazu. Mit ihrer kreolischen Sprache aus Martinique bringt sie eine warme, sonnige Note in den Dialog der Stimmen und zeichnet musikalisch so etwas wie leisen, hoffnungsvollen Widerstand.

Ein erster Vorgeschmack auf das Album ist die Single „Abanije“. Der Titel bedeutet sinngemäß „der, der mich mit einem Lächeln verletzt“. Hinter dieser poetischen Formulierung steckt jedoch ein klares Statement. Der Song richtet sich an Menschen, die sich nicht länger von schönen Fassaden täuschen lassen wollen. Nayel Hóxò erzählt darin von wiedergefundener Würde, innerer Stärke und der Fähigkeit, sich von toxischen Beziehungen zu lösen. Musikalisch trägt ein hypnotischer Groove die Botschaft, während Bläser und warme Tastenklänge den Song langsam wachsen lassen. So entsteht ein Stück, das gleichzeitig nachdenklich und tanzbar wirkt – typisch für den Ansatz von Ireke. Auch visuell setzt das Projekt auf starke Handschrift: Das Cover des Albums stammt vom brasilianischen Illustrator und Grafiker Edson Ikê, dessen farbenreiche Bildsprache perfekt zu dieser musikalischen Mischung aus Tradition, Bewegung und zeitgenössischem Sound passt.

Tracklist

01 Tout Est Bizarre (feat Agnès Hélène) 03:20
02 Abanije (feat Nayel Hóxò) 03:43
03 Soy Dos (feat Agnès Hélène) 03:50
04 Viv Li (feat Olivya) 03:44
05 Laissez Passer (feat Agnès Hélène) 03:38
06 Ta Logbe Jongo (feat Nayel Hóxò) 03:39
07 Soulshine (feat Nayel Hóxò) 03:28
08 En synchro (feat Agnès Hélène) 03:49
09 Aïshododo (feat Nayel Hóxò 03:20
10 L’or & le Sang (feat Agnès Hélène) 03:42