Zwischen Geschenkekisten, Altbaufassaden und diesem typischen Prenzlauer-Berg-Flair stolpert Jakob Dobers in seinem neuen Video zu „Eine andere Dimension“ durch die Straßen und sammelt dabei mehr als nur Klamotten ein. Die erste Single aus dem kommenden Album „Signale“ zeigt ihn auf einem kleinen Mode-Abenteuer: Von Kiste zu Kiste wird anprobiert, kombiniert, wieder abgelegt. Ein urbaner Laufsteg aus Second-Hand-Fundstücken. Wer in Berlin unterwegs ist, kennt diese Kartons – halb Flohmarkt, halb Nachbarschaftsprojekt. Für viele junge Leute eine Goldmine für Vintage-Looks ohne Boutique-Preisschild. Gleichzeitig hängt über dem Ganzen inzwischen ein leicht rebellischer Vibe, weil solche Straßen-Geschenkekisten politisch nicht mehr überall gern gesehen sind. Vielleicht macht genau das den Charme aus: ein bisschen DIY-Kultur, ein bisschen Widerstand gegen die perfekte Konsumwelt.
Dobers kennt den Kiez seit Ewigkeiten. Wer lange genug durch Prenzlauer Berg spaziert, merkt schnell, wie sich hier alles ständig verändert und doch irgendwie gleich bleibt. Früher bröckelten die Fassaden, heute glänzen viele Häuser frisch saniert. Die Mieten sind explodiert, Cafés haben Terrassen wie kleine Urlaubsoasen, und irgendwo zwischen Hafermilch-Latte und Kinderwagenparkplatz hängt dieses seltsame Gefühl von entspannter Großstadtblase. Genau dort setzt Dobers musikalisch an. Seine Songs wirken wie Beobachtungen aus dem Vorbeigehen: Gespräche, Stimmungen, kleine Widersprüche. In „Die Helligkeit“ beschreibt er eine Welt voller Schönheit, in der die Angst eher im Schatten lauert als offen herumzulaufen. Das klingt nicht nach politischem Megafon, eher nach jemandem, der aufmerksam zuhört und sich wundert, was Menschen so alles sagen – oder eben nicht sagen.
Musikalisch bewegt sich „Signale“ irgendwo zwischen Indie-Folk und schwebendem Pop. Leicht, offen, manchmal fast minimalistisch. Zusammen mit Florian Sievers – bekannt aus dem Projekt Das Paradies – hat Dobers einen Sound gebaut, der Platz lässt: für kleine Gitarrenfiguren, für Echo-Spielereien, für Pausen. Robert Kretzschmar am Schlagzeug und Josepha Conrad am Bass sorgen dabei für eine entspannte Rhythmus-Basis, die nie drängelt. Auch inhaltlich bleibt Dobers eher Beobachter als Ankläger. Selbst bei Themen wie Meinungsdebatten oder gesellschaftlichen Spannungen wirkt er mehr neugierig als wütend. Vielleicht macht gerade das seine Songs so angenehm: Sie stellen Fragen, ohne sofort Antworten zu brüllen. Das Albumcover von Sandro Rybak passt dazu perfekt – ein surrealer Stein mit Schmetterling, Farbkleckse, irgendwo dahinter eine Landschaft, die alles oder nichts sein kann. Man könnte fast hoffen, dass das Album irgendwann wieder in einer dieser Berliner Geschenkekisten landet. Jemand nimmt es mit nach Hause, legt es auf und hört plötzlich diese leisen Signale aus einer anderen Dimension.