Jens Bockisch blickt mit „Nur nach vorn“ in die Zukunft
Drei Singles lang hat Jens Bockisch bereits persönliche Themen in seinen Songs verarbeitet. Nummer vier knüpft daran an, verschiebt den Blick aber ganz bewusst in eine andere Richtung. „Nur nach vorn“ handelt von Rückschlägen, Enttäuschungen, einer verlorenen Liebe und Menschen, die sich irgendwann als die falschen Begleiter herausstellen. Keine sonderlich angenehme Bestandsaufnahme. Der Song bleibt allerdings nicht bei dem hängen, was schiefgelaufen ist. Entscheidend ist die Frage, was danach passiert. Bockisch beschreibt einen Neuanfang, bei dem vergangene Erfahrungen nicht einfach ausradiert werden. Alte Wunden dürfen heilen, aus Fehlern lässt sich etwas lernen, dann geht es weiter. Diese Haltung steckt bereits sehr direkt im Refrain: „Nur nach vorn, nicht zurück. Schritt für Schritt ins neue Glück.“ Viel komplizierter muss die Ansage an dieser Stelle auch gar nicht sein. Statt Rückschläge schönzureden, beschreibt der Text den Entschluss, ihnen nicht dauerhaft die Regie über das eigene Leben zu überlassen. Selbstzweifel gehören zu diesem Prozess ebenso wie der Versuch, wieder Vertrauen aufzubauen. Ausgerechnet darin liegt der Kern der vierten Single: Veränderung beginnt nicht plötzlich mit einem komplett neuen Leben, sondern zunächst mit einer Entscheidung. Und die kann bekanntlich schon schwierig genug sein.
Musikalisch bewegt sich Jens Bockisch im Pop-Schlager. Eine eingängige Melodie trifft auf eine Produktion, die dem Refrain genügend Druck gibt und die zentrale Textzeile schnell hängen bleiben lässt. Hinter „Nur nach vorn“ steckt erneut die Zusammenarbeit mit Pascal Vogt. Bockisch und Vogt haben bereits die kreativen Ideen der drei vorherigen Singles gemeinsam umgesetzt und führen diese Arbeit nun beim vierten Titel fort. Eine personelle Neuerung gibt es trotzdem: Mixing und Mastering wurden erstmals von C-Base Music übernommen. Damit ist zumindest auf technischer Seite ein neuer Name beteiligt. Inhaltlich arbeitet der Song mit klaren Bildern für den Wechsel von einer schwierigen Phase in einen neuen Lebensabschnitt. „Ab heute nur noch Platz für Licht“ beschreibt diesen Wendepunkt ebenso wie die Aussage „Das Glück liegt jetzt in deiner Hand“. Gemeint ist kein radikaler Schlussstrich nach dem Motto: gestern schlecht, heute plötzlich alles prima. Vielmehr geht es um den Moment, in dem man aufhört, ausschließlich auf vergangene Enttäuschungen zu reagieren. Verlorene Träume werden im Text neuen Chancen gegenübergestellt, dunkle Tage neuen Perspektiven. Der Popschlager-Rahmen hält diese Gedanken kompakt und zugänglich. Vor allem der Refrain übernimmt dabei die Funktion eines wiederkehrenden Leitsatzes. Schritt für Schritt statt Wunderheilung über Nacht – das klingt ohnehin nach dem deutlich realistischeren Plan.
Bemerkenswert ist dabei die Kontinuität innerhalb der bisherigen Veröffentlichungen von Jens Bockisch. Auch bei seiner vierten Single bleibt die persönliche Botschaft ein wesentlicher Bestandteil des Songs. Diesmal geht es weniger darum, ausführlich zurückzuschauen, sondern um die Konsequenzen aus dem Erlebten. Falsche Wegbegleiter, eine gescheiterte Liebe oder Selbstzweifel verschwinden schließlich nicht deshalb aus der eigenen Geschichte, weil man beschlossen hat, weiterzumachen. „Nur nach vorn“ formuliert stattdessen den Gedanken, dass Vergangenheit und Zukunft durchaus gleichzeitig existieren dürfen: Erfahrungen bleiben, ihre Bedeutung kann sich aber verändern. Genau an dieser Stelle bekommt auch der Titel seine Funktion. Er ist weniger eine Aufforderung zum Vergessen als eine Entscheidung gegen Stillstand. Jens Bockisch und Pascal Vogt führen damit ihre gemeinsame kreative Arbeit fort, während C-Base Music beim Mixing und Mastering erstmals Teil der Produktion ist. Musikalisch bleibt das Ganze klar im Pop-Schlager verankert, textlich geht es um einen ziemlich alltäglichen, deshalb aber nicht weniger schwierigen Vorgang: nach einer schlechten Phase wieder anzufangen. Der Song beschreibt diesen Weg vom Zweifel hin zu neuem Vertrauen, ohne so zu tun, als ließe sich Vergangenes per Knopfdruck abschalten. Man nimmt es mit, lernt daraus und entscheidet irgendwann, wohin der nächste Schritt führen soll. Bei Jens Bockisch ist die Richtung jedenfalls schon im Titel geklärt: „Nur nach vorn“.
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