Jens O., Enerdizer & Chris van Neu: „We Fell“
Wenn Jens O., Enerdizer und Chris van Neu gemeinsam an einem Track arbeiten, kommt einiges an Erfahrung aus der deutschen Dance-Szene zusammen. Für „We Fell“ teilen sich die drei Produzenten und Songwriter nicht nur den Namen auf dem Cover, sondern bündeln ihre Arbeit in einer gemeinsamen Produktion. Am Mikrofon steht Lina Rose, die den Song auf Deutsch und Englisch singt. Genau dieser Sprachwechsel gehört zu den auffälligen Merkmalen der Nummer und gibt dem Vocal eine eigene Kontur innerhalb des Dance-Arrangements. Inhaltlich bleibt die Vorlage zwar knapp, klar ist aber: Der Gesang bildet den gefühlvolleren Gegenpol zu einer Produktion, die ausdrücklich für die Peaktime gedacht ist. Kein akustischer Sonntagnachmittag also, sondern Clubmaterial mit entsprechendem Druck. Jens O. gehört seit vielen Jahren zur deutschen Dance-Landschaft, während auch Enerdizer und Chris van Neu als Produzenten und Songwriter arbeiten. Bei dieser Konstellation sitzt damit nicht einfach ein einzelner Produzent hinter den Reglern, während der Rest für den hübschen Schriftzug zuständig ist. Drei Leute mit eigener Produktionserfahrung treffen auf eine Sängerin, deren deutsch-englischer Vortrag einen wesentlichen Teil des Songs ausmacht.
Musikalisch wird „We Fell“ als schneller, druckvoller Dance-Track angelegt. Die Beteiligten selbst ordnen die Nummer klar in Richtung Peaktime ein – also genau in jenen Teil eines Sets, in dem Zurückhaltung eher selten auf der Gästeliste steht. Gleichzeitig soll Lina Roses Gesang dem Stück eine gefühlvollere Ebene geben. Interessant ist dabei weniger irgendein großes Genre-Etikett als die Rollenverteilung innerhalb der Produktion: Auf der einen Seite stehen Jens O., Enerdizer und Chris van Neu mit ihrem Hintergrund als Produzenten und Songwriter, auf der anderen Seite trägt Lina Rose die deutsch-englischen Vocals. Diese Kombination bestimmt den Charakter des Tracks. Der Wechsel zwischen beiden Sprachen hebt den Gesang zudem von rein englischsprachigen Dance-Produktionen ab, ohne dass dafür eine komplizierte Geschichte konstruiert werden müsste. Über konkrete Synthesizer, verwendete Hardware, Software, Studiotechnik oder ein beteiligtes Mastering-Studio liegen keine Angaben vor. Entsprechend wäre es ziemlich sportlich, hier plötzlich über bestimmte Produktionskniffe oder einen angeblich unverkennbaren Studiosound zu philosophieren. Festhalten lässt sich dagegen, dass die Produktion auf Clubwirkung ausgelegt wurde und der Gesang nicht bloß als kurzer Hook-Baustein beschrieben wird, sondern als prägender Bestandteil der Zusammenarbeit.
Spannend an der Kollaboration ist vor allem die personelle Konstellation. Jens O., Enerdizer und Chris van Neu bringen jeweils Erfahrung im Produzieren und Songwriting mit, wodurch „We Fell“ nicht nach dem klassischen Schema Produzent plus Feature-Gast angekündigt wird. Lina Rose übernimmt wiederum die vokale Seite und arbeitet dabei mit zwei Sprachen. Mehr braucht die Ausgangslage eigentlich auch nicht, um den Track sauber einzuordnen: Dance, Peaktime-Ausrichtung, drei Produzenten und Songwriter sowie ein deutsch-englischer Vocal. Gerade in einem Genre, in dem Songinformationen gern unter einem Berg aus Superlativen verschwinden, sind solche konkreten Angaben ohnehin hilfreicher als die nächste Behauptung, irgendein Track würde gerade sämtliche Grenzen sprengen. Hier ist die Sache erfreulich übersichtlich. „We Fell“ entstand als gemeinsame Dance-Produktion von Jens O., Enerdizer und Chris van Neu, Lina Rose steuert den Gesang bei. Die Nummer ist eingängig konzipiert und für den energiereicheren Abschnitt eines Dance-Sets gedacht. Wer die beteiligten Namen bereits aus der deutschen Dance-Szene kennt, bekommt damit eine Kollaboration, bei der mehrere Produzentenperspektiven in einem Projekt zusammentreffen. Wer Lina Rose bislang nicht auf dem Zettel hatte, findet in ihrem zweisprachigen Part zugleich einen klar benennbaren Grund, genauer hinzuhören. Viel konkreter lässt sich die Veröffentlichung anhand der vorhandenen Informationen kaum beschreiben – und das ist allemal sinnvoller, als ihr Eigenschaften anzudichten, die am Ende nur auf dem Papier existieren.