Joe Bonamassa nimmt sich mit „The Spirit Of Rory Live From Cork“ kein kleines Projekt vor – und genau das merkt man jeder Sekunde an. Statt einfach ein paar Songs runterzuspielen, liefert er hier eine ziemlich ehrliche, fast schon respektvoll nervöse Verbeugung vor Rory Gallagher. Die Live-Aufnahmen aus Cork fühlen sich nicht wie ein klassisches Konzertalbum an, sondern eher wie ein Moment, in dem ein Fan plötzlich selbst auf der Bühne steht – nur eben mit Weltklasse-Skills. Gerade „Walk On Hot Coals“ knallt direkt rein: roh, energetisch und ohne großes Polieren. Man hört, dass Bonamassa bewusst nicht versucht, Gallagher zu kopieren, sondern eher dessen Spirit einzufangen. Das klappt erstaunlich gut, weil er sich nicht in technischem Ego verliert, sondern den Songs Raum lässt zu atmen.
Was die Platte besonders macht, ist dieser Mix aus Respekt und eigenem Stil. Bonamassa ist ja bekannt dafür, dass er Gitarren auch mal sprechen lässt, aber hier hält er sich stellenweise zurück – und genau das wirkt stärker als jedes Solo-Gewitter. Tracks wie „Bullfrog Blues“ oder „Who’s That Coming“ wirken live fast dreckiger als im Original, was ihnen eine neue Kante gibt. Gleichzeitig schwingt immer dieses Gefühl mit, dass hier jemand spielt, der genau weiß, wie viel ihm diese Musik bedeutet. Das Publikum in Cork trägt seinen Teil dazu bei: Man hört förmlich, wie sehr diese Songs dort zuhause sind. Es entsteht eine Atmosphäre, die man nicht nachbauen kann – entweder sie ist da oder eben nicht. Hier ist sie definitiv da.
Spannend ist auch die persönliche Ebene, die Bonamassa reinbringt. Die Story mit seinem Vater, die frühen Einflüsse, das erste Mal „Irish Tour ’74“ hören – das wirkt nicht wie PR-Gerede, sondern ziemlich glaubwürdig. Genau deshalb funktioniert das ganze Projekt: Es geht nicht um Nostalgie, sondern um Weitergabe. Bonamassa spielt diese Songs nicht, um zu zeigen, dass er es kann, sondern weil er sie wirklich fühlt. Klar, wer puren Gallagher-Originalsound erwartet, wird hier kleine Unterschiede merken. Aber genau das ist der Punkt: Es ist keine Kopie, sondern ein Dialog zwischen zwei Generationen Blues. Und der klingt überraschend lebendig.