Cover: Johanna Giese - Ab in den Urlaub
7/8
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Johanna Giese feiert mit „Ab in den Urlaub“

Feierabend, Zeugnis eingesackt, Koffer zu – Johanna Giese beschäftigt sich in „Ab in den Urlaub“ mit einem Moment, auf den wohl kaum ein Azubi lange vorbereitet werden muss. Das Lehrjahr ist geschafft, der Sommer läuft in Berlin und nach Monaten zwischen Arbeit und Lernen darf das Meer übernehmen. Schon der Einstieg „Der letzte Tag – es ist Sommer in Berlin“ steckt die Handlung ziemlich genau ab. Statt komplizierter Nebenwege erzählt die Berlinerin von der Erleichterung nach einem abgeschlossenen Ausbildungsjahr und der Vorfreude auf die freie Zeit. „Ab in den Urlaub – das haben wir uns verdient“, heißt es im Refrain. Damit bleibt Giese thematisch bei jener Lebenswelt, die bereits ihr Debüt „Die Lichter der Stadt“ geprägt hatte. Dort beschäftigte sie sich mit Mut, Zusammenhalt, Unsicherheiten und schwierigen Situationen im Arbeitsalltag junger Menschen. Der zweite Song dreht nun die Schreibtischlampe aus und schaut, was nach getaner Arbeit passiert. Die Antwort: reisen, abschalten und möglichst wenig an den nächsten Wecker denken. Besonders deutlich wird der Azubi-Bezug in der augenzwinkernden Zeile „Sommer, Sonne, Sonnenschein – ein Azubi muss man sein!“. Der Urlaub ist hier also nicht bloß hübsche Kulisse für einen saisonalen Schlager. Er ist die Belohnung nach einem Jahr, in dem gearbeitet, gelernt und durchgehalten wurde.

Musikalisch bewegt sich „Ab in den Urlaub“ im Pop-Schlager. Die Komposition ist eingängig angelegt, der Refrain übernimmt eine zentrale Rolle und greift die Ferienidee mit leicht merkbaren Textzeilen auf. Für den Song arbeitete Johanna Giese erneut mit dem Team von Lumina Records. Geschrieben wurde der Titel von Jenny van Bree und Wolfgang Nadrag, die bereits ihren bisherigen musikalischen Weg begleitet haben. Inhaltlich bleibt die Nummer bewusst unkompliziert. „Ich will genießen, einfach reisen sorgenfrei“, singt Giese und bringt damit den Tagesplan für die kommenden freien Wochen ziemlich effizient auf eine Zeile. Große Dramen haben Urlaub. Stattdessen geht es um das gute Gefühl, eine Etappe abgeschlossen zu haben. Interessant ist dabei die Fortsetzung der Perspektive aus „Die Lichter der Stadt“: Johanna Giese wechselt nicht plötzlich das Thema, sondern betrachtet eine andere Seite derselben Lebensphase. Ausbildung besteht eben nicht ausschließlich aus Problemen, Prüfungen oder frühem Aufstehen. Irgendwann kommt der letzte Arbeitstag vor der freien Zeit. Dann dürfen Laptop, Werkzeug oder Aktenordner warten. Genau diesen Moment nimmt „Ab in den Urlaub“ ins Visier. Nach der Auszeit soll es für die Sängerin beziehungsweise ihre erzählte Azubi-Perspektive wieder ins nächste Ausbildungsjahr gehen. Der Song erzählt deshalb weniger von Flucht aus dem Arbeitsleben als von einer verdienten Unterbrechung. Erst Leistung, dann Liegestuhl – zumindest für eine Weile.

Dass Johanna Giese ausgerechnet Themen rund um Ausbildung und Berufsalltag in ihre Songs holt, kommt nicht aus dem luftleeren Raum. Neben der Musik arbeitet die Berlinerin selbst im Verwaltungsbereich. Erfahrungen mit der Arbeitswelt gehören damit zu ihrem eigenen Alltag. Nach nur zwei Singles lässt sich außerdem bereits erkennen, welche Themen sie für ihre Musik auswählt: junge Menschen, Ausbildung und Situationen, die unmittelbar mit diesem Lebensabschnitt zusammenhängen. „Die Lichter der Stadt“ nahm eher die schwierigen Seiten in den Blick, „Ab in den Urlaub“ kümmert sich um den angenehmeren Teil der Rechnung. Zeugnis bekommen, Koffer packen, raus. Mehr braucht die Geschichte diesmal nicht. Gerade dadurch bleibt der Text nah an einer konkreten Situation, statt den Sommer lediglich mit den üblichen Schlagworten aus Strand, Sonne und guter Laune zu dekorieren. Das Meer ist das Ziel, der eigentliche Anlass liegt aber vorher: Ein Arbeits- und Ausbildungsjahr wurde beendet. Mit Jenny van Bree und Wolfgang Nadrag stehen erneut dieselben Autoren hinter dem Material, während Lumina Records wieder als musikalisches Team beteiligt ist. So entsteht eine direkte Verbindung zum bisherigen Weg der Sängerin. Johanna Giese bleibt beim Azubi-Thema, wechselt allerdings die Stimmungslage. Nach Unsicherheiten und Herausforderungen darf nun schlicht gefeiert werden. „Ab in den Urlaub“ ist damit ziemlich genau das, was der Titel verspricht: ein Pop-Schlager über den letzten Arbeitstag, die erste freie Minute und diesen kleinen Luxus, morgens einmal nicht wissen zu müssen, wo eigentlich der Wecker liegt.
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