John Legend wollte raus aus einer Formel, die seine Karriere über zwei Jahrzehnte geprägt hat. Für „Muse“ überließ der EGOT-Preisträger Pharrell Williams ungewöhnlich viel kreative Kontrolle. Williams produzierte das komplette Album und schrieb es gemeinsam mit Legend; einzelne Songs stammen sogar vollständig aus seiner Feder. Bemerkenswert daran: Obwohl beide seit mehr als 20 Jahren befreundet sind, ist „Muse“ ihr erstes gemeinsames Projekt dieser Größenordnung. Die Idee entstand nach Legends Gastbeitrag auf dem von Pharrell produzierten Clipse-Album „Let God Sort ’Em Out“. Sein Gesang in „The Birds Don’t Sing“ brachte Williams auf den Gedanken, ein ganzes Album um diese Stimme zu bauen.
Aufgenommen wurde unter anderem in Pharrells Studio in der Pariser Louis-Vuitton-Zentrale. Musikalisch reicht der Blick von Gospel, Doo-Wop und klassischen Standards über Classic Soul bis Afrobeat und Hip-Hop. Nina Simone, Nat King Cole und Marvin Gaye nennt Legend als Einflüsse. Pharrell wiederum entwickelte eine „Black James Bond“-Ästhetik: cineastische Bläser und Streicher, Soul und klassische Elemente auf einem zeitgenössischen Beat-Fundament. Der Titeltrack erzählt von der wechselhaften Beziehung eines Mannes zu einer erfundenen Muse. „Her“ greift Doo-Wop und Gospel auf, „Get Back“ mit Pharrell führt die Bond-Idee weiter. Bei „Bodies on the Floor“ sind Clipse beteiligt.
Mit „Daylight“ gibt es den ersten Vorboten des Albums; zuvor war bereits „Pray For Ya“ bei einer Louis-Vuitton-Herrenmodenschau zu hören. Inhaltlich verweist der Albumname außerdem auf die neun Musen der griechischen Mythologie. Legend zieht die Verbindung weiter zu musikalischen Vorfahren und deren Einfluss auf seine eigene Arbeit. Dass er dafür Entscheidungen abgab, die er normalerweise selbst trifft, gehört zum Konzept dieser Zusammenarbeit. Statt sich auf Klavierballaden zu verlassen, sucht „Muse“ bewusst andere Wege. Nach mehr als zwei Jahrzehnten Karriere war Komfortzone offenbar keine besonders interessante Studioadresse mehr.