Jordan Hanson & Gerrit Hericks: „Ein Schritt zu viel“
Mehr als 15 Jahre kennen sich Jordan Hanson und Gerrit Hericks bereits. Eine gemeinsame Geschichte gab es also lange vor dem ersten gemeinsamen Song. Nun haben die beiden Sänger eine Idee umgesetzt, die offenbar Zeit zum Reifen brauchte: „Ein Schritt zu viel“ ist ihr erstes Duett. Inhaltlich geht es um einen Menschen, der immer wieder versucht, von einer anderen Person gesehen, verstanden und angenommen zu werden. Klingt zunächst nach einer ziemlich alltäglichen Beziehungssituation. Der entscheidende Punkt kommt allerdings dort, wo aus dem Wunsch nach Anerkennung ein ständiges Bemühen wird. Irgendwann folgt die Erkenntnis, dass weder Liebe noch Wertschätzung erzwungen werden können. Genau an dieser Grenze setzt die Geschichte des Songs an. Statt weiterhin darauf zu hoffen, dass sich die Wahrnehmung des Gegenübers verändert, rückt eine andere Frage nach vorn: Wie lange sollte man für jemanden kämpfen, wenn man sich auf diesem Weg zunehmend selbst aus den Augen verliert? Der Titel beschreibt damit nicht einfach einen Fehler oder eine Entscheidung, die besser ungeschehen geblieben wäre. Gemeint ist vielmehr jener Punkt, an dem jemand merkt, dass die eigene Grenze längst erreicht oder vielleicht schon überschritten wurde.
Jordan Hanson und Gerrit Hericks erzählen diese Geschichte mit zwei Stimmen und aus einer gemeinsamen musikalischen Konstellation heraus, die für beide eine Premiere ist. Im Zentrum des Textes stehen enttäuschte Erwartungen, Loslassen und die Suche nach dem eigenen Selbstwert. Der entscheidende Gedanke dahinter ist erfreulich konkret: Wie ein anderer Mensch einen behandelt oder beurteilt, bestimmt nicht den eigenen Wert. Eine Erkenntnis, die auf dem Papier schnell hingeschrieben ist. In einer Beziehungssituation sieht die Sache bekanntlich gern etwas komplizierter aus. „Ein Schritt zu viel“ beschreibt deshalb den Moment, in dem aus immer neuen Versuchen schließlich eine persönliche Konsequenz entsteht. Das Zurückziehen wird dabei nicht als Niederlage verstanden. Es geht vielmehr darum, sich selbst wieder Priorität einzuräumen und Grenzen anzuerkennen, nachdem zuvor viel Energie in einen anderen Menschen geflossen ist. Die beiden Stimmen übernehmen gemeinsam diese Erzählung und geben dem Duett damit seinen Kern. Gerade die Konstellation zweier Sänger passt zum Thema, weil der Song von zwischenmenschlicher Wahrnehmung handelt, ohne dass daraus laut Vorlage ein klassischer musikalischer Dialog mit fest verteilten Rollen gemacht wird. Weitere Angaben zu Songwriting, Produktion, Arrangement oder Studio liegen nicht vor. Der bekannte Hintergrund bleibt deshalb bewusst dort, wo er am konkretesten ist: bei der langjährigen Verbindung der beiden Künstler und der Geschichte, die sie für ihre erste gemeinsame Aufnahme gewählt haben.
Dass Hanson und Hericks ausgerechnet mit diesem Thema erstmals gemeinsam einen Song aufnehmen, gibt „Ein Schritt zu viel“ noch eine zweite Ebene. Über 15 Jahre Bekanntschaft stehen hinter einem Duett, das von Grenzen, Anerkennung und dem Weg zurück zu sich selbst handelt. Für beide ist die Zusammenarbeit entsprechend mehr als ein zufällig angesetztes gemeinsames Projekt. Sie beschreiben den Titel als Herzensprojekt, dessen Umsetzung nach vielen Jahren gemeinsamer Geschichte Wirklichkeit geworden ist. Inhaltlich bleibt die Botschaft dennoch klar von ihrer persönlichen Verbindung getrennt: Erzählt wird von einem Menschen, der erkennen muss, wann das eigene Bemühen um Liebe und Anerkennung zu weit gegangen ist. Der wichtigste Schritt führt anschließend nicht erneut auf das Gegenüber zu, sondern zurück zur eigenen Person. Darin steckt auch die eigentliche Bedeutung des Titels. Ein Schritt zu viel muss nicht bedeuten, dass alles verloren ist. Er kann ebenso der Punkt sein, an dem eine Grenze sichtbar wird und eine Entscheidung fällt. Nicht weiter hinterherlaufen. Nicht den eigenen Wert vom Verhalten eines anderen abhängig machen. Nicht endlos versuchen, etwas zu erzwingen, das sich nicht erzwingen lässt. Für Jordan Hanson und Gerrit Hericks beginnt ihre gemeinsame musikalische Arbeit damit ausgerechnet bei einem Song über das Loslassen. Nach mehr als 15 Jahren Bekanntschaft hat ihr erstes Duett also ziemlich lange Anlauf genommen. Beim Thema selbst geht es dagegen darum, rechtzeitig zu merken, wann man besser keinen weiteren Schritt mehr in die falsche Richtung macht.