Wenn Musik sich anfühlt wie ein leiser Spaziergang durch den Kopf, dann ist Juni Habel genau da unterwegs. Mit „Evergreen In Your Mind“ zieht die norwegische Singer-Songwriterin nicht einfach neue Songs auf, sondern baut sich eine kleine Zwischenwelt – irgendwo zwischen Tagtraum und dem Geräusch von echten Schritten auf Holzboden. Ihre Stimme bleibt dabei das Zentrum: sanft, fast zerbrechlich, aber nie zu vorsichtig. Sie trägt die Tracks wie ein roter Faden durch ein Album, das sich Zeit lässt und genau darin seine Stärke findet. Statt großen Gesten gibt’s hier feine Details, die sich erst nach und nach entfalten.
Was das Ganze besonders spannend macht: Die Platte lebt von Gegensätzen, ohne sich daran aufzuhängen. Auf der einen Seite stehen diese ruhigen, fast stillen Folk-Momente, auf der anderen Seite tauchen plötzlich kleine rhythmische Ideen auf, die dem Sound mehr Bewegung geben. Dabei geht es nie um Druck oder Tempo, sondern eher um ein leichtes Pulsieren im Hintergrund. Geräusche wie Klatschen, Klopfen oder zufällige Alltagsklänge werden hier nicht versteckt, sondern bewusst eingebaut – als würde man beim Hören direkt im Raum stehen, in dem alles entstanden ist. Diese Nähe fühlt sich ehrlich an, fast schon intim. Dass Co-Produzent Stian Skaaden dabei eine große Rolle spielt, merkt man vor allem an den verspielten Details, die den Songs ihre eigene kleine Eigenart geben.
Inhaltlich kreist „Evergreen In Your Mind“ immer wieder um dieses Gefühl, zwischen zwei Welten zu hängen. Natur trifft auf Alltag, Sehnsucht auf Realität, Bewegung auf Stillstand. Tracks wie der Titeltrack oder „Stand So Still“ zeigen genau dieses Hin und Her, ohne eine klare Antwort geben zu wollen. Stattdessen lässt Juni Habel Raum für eigene Gedanken – und genau das macht das Album so angenehm unaufgeregt. Es will nichts beweisen, sondern eher begleiten. Auch „I’d Like To See It“ bleibt in dieser Linie und bringt mit seiner leichten Instrumentierung fast schon märchenhafte Vibes rein, ohne kitschig zu werden. Am Ende ist das Album weniger eine Sammlung einzelner Songs, sondern eher ein zusammenhängendes Gefühl. Eines, das irgendwo zwischen Melancholie und Hoffnung liegt und dabei nie zu schwer wird. Wer auf leise Töne steht, die trotzdem lange nachhallen, dürfte hier ziemlich gut aufgehoben sein.